Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Schuppenpanzer, als ein mit Metallplatten besetztes Lederkoller auf-
zufassen, trägt am unteren Rande Lederstreifen. Die Aermellöcher
sind nach vorn gewendet. Wenn man festhält, dass die übrigen
WafFenstücke als dem Centurio eigenthümlich ausgewählt sind, so
scheint dasselbe auch von dem Schuppenpanzer angenommen werden
zu dürfen14). Eine weitere Begründung dieser Ansicht, welche eine
vollständige Vergleichung der Grabsteine von Legionaren zur Vor-
aussetzung haben müsste, kann an dieser Stelle nicht gegeben
werden.

Im dritten Felde ist ein calo dargestellt, der ein Pferd am
Zaume führt. Er ist mit der nach Soldatenart hochgeschürzten
Tunica und einer Paenula bekleidet; am Halse wird noch ein runder
Wulst sichtbar; in diesem ist nach zahlreichen Analogieen der Traians-
säule ein um den Hals geknüpftes Tuch, dessen Zipfel meist lose
herabhängen, zu erkennen; der cucidlus ist minder wahrscheinlich.
Am Sattel ist nur bemerkenswerth, dass die Satteldecke fehlt, im
Gegensatze zu den zahlreichen ganz ähnlichen Darstellungen auf
den Grabsteinen der equites singulares. Wenn demnach unser Cen-
turio nothwendig beritten gewesen sein muss, so scheint uns doch
durch diesen Umstand der Schluss noch keineswegs gesichert, in ihm
einen ReiterofFicier, etwa den Commandanten der Legionsreiterei zu
erkennen15).

14) Der Schuppenpanzer findet sich, soweit meine Sammlungen reichen, noch
auf dem Relief des Sertorius, einem zweiten Veronenser Relief eines aquilifer (Orti
la gente Sertoria n. 3), auf der Traianssäule nur bei Bogenschützen zu Fuss (Fröhner
Col. Trajan. T. IV. T. XXXII), und dem Grabsteine eines Auxiliarreiters {Revue
arch. T. XIV tab. 305 == C. I. L. VIII 9377). Häufig auf der Antoninssäule und den
dem Traiansbogen entnommenen Reliefs des Constantinsbogens, wenn Bartoli irgend
welcher Glauben zu schenken ist, der in solchen Details nachweislich frei erfindet.
Dass ihn auch der aquilifer trägt, ist bei der angesehenen Stellung dieses Principals
damit wohl verträglich; man avancirt vom aquilifer direct zum centurio. C. I. Rh.
1752: P. Terrasius Ol. Avitus Savaria f [l]eg. VIII p. f. Co(mmodae) ex aquilifero
leg. I Adiutricis (a. 191).

15) Für diese Ansicht spräche vor allem die Inschrift C. I. L. VHI 2593:
Aelius. Severus, eq. leg. III. Aug. 1 Jul. Candidi. Ein berittener Legionscenturio
auch auf einem Grabstein aus Brigetio C. I. L. HI 4315, wo die Sculpturen aller-
dings theils falsch, theils gar nicht angegeben sind. Auch Dio 71. 27, 2 f. (von
der Ermordung des Avidius Cassius) Trpoireadiv Y&p ßabi£ovn tuJ Kaaoiai 'AvtuÜvux;
eKaxövTapxot; eEaiqpvnq erpuiae Kaxd xou aüxevoq oü irävu irA.r|YrJ Kaipia. Kai ö
u£v ffj puan tou nnrou eHaxGeiq.

Wien. A. v. DOMASZEWSKI.

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