Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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(bei n. 2 ist dies des Bruches wegen nicht erkennbar) befindet sich
in einer Umrahmung (tabella ansata), deren linke Seite erhalten ist.

Die Buchstabenformen sind, besonders in der ersten Inschrift,
unschön und, wie das überhaupt den Denkmälern der flavischen
Zeit eigen ist, ohne monumentalen Charakter. Auf dem ersten
Stein ist die rothe Farbe, die bekanntlich schon im Alterthum auf
Inschriften vielfach verwendet worden ist, in den Vertiefungen der
Buchstaben noch sehr wohl erhalten. — Gefunden sind beide Steine
in unmittelbarer Nähe von einander, etwa 100—120 Schritt südöstlich
von dem vor drei Jahren aufgedeckten Gebäude, das ich als Lager-
heiligthum zu deuten versucht habe (Mittheil. II S. 179 f.), genau
in der Linie nach dem kurz nach Abfassung meines Berichtes auf-
gedeckten, von zwei vorspringenden Seitenthürmen flankirten Süd-
thore des Lagers, das als porta decumana zu bezeichnen sein wird.
Die Inschrift n. 2 ist etwa 10 Schritte von den ersten beiden Frag-
menten gefunden worden. Trotz genauer von Baron Ludwigstorff
sofort angestellter Untersuchung des umliegenden Terrains kamen
weitere Fragmente der Steine nicht zum Vorschein; die aufgefundenen
lauten folgendermassen:

n. 1. n. 2.

a

N

I M P V E

caesavg
d e s i g M
timpcaesa
desig ii)

Dass die Fragmente a und i demselben Steine angehören,
erweist sofort der Augenschein; ebenso evident ist aber, dass n. 2
der Rest eines mit n. 1 auch in der Zeilenabtheilung identischen
Exemplares ist, nur dass die Disposition der Buchstaben in n. 2
etwas verschieden ist, da des (Z. 1) und TTT (Z. 3) mehr nach rechts
gerückt erscheinen, als in n. 1. — Die t in n. 1 haben einen sehr
kleinen Querstrich, besonders in Z. 6 u. 7, so dass sie von i sich
kaum unterscheiden. — Z. 4 ist der Mittelstrich des letzten a zer-
stört; Z. 6 von dem letzten o nur noch ein ganz geringer Rest
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