Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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in den Jahren 69 und 70 bei Tacitus hist. 2, 98 u. 4, 49—50 und bei
Plinius epp. III 7, 12), wie aus zahlreichen in Spanien selbst gefun-
denen Inschriften (C I. L. II Index p. 719; Mommsen Index Plinianus
p. 427) hervorgeht, in den Jahren 79 und 80 bekleidet: in letzterem
Jahre scheint der Triestiner Stein gesetzt zu sein, da neben ihm eine
Münze des J. 80 gefunden worden ist. Vor der spanischen Statt-
halterschaft hat Festus als Consular (sein Consulat fällt in das J. 71)
das damals noch ungetheilte Panonnien verwaltet und zwar un-
mittelbar nach der im J. 73, wie ein in Rom gefundener, sicher vor
dem ersten Juli, wahrscheinlich im Anfange des J. 73 gesetzter
Terminalcippus (C. I. L VI, 1238) beweist, geführten cura alvei
Tiberis et riparum. Denn dass er noch in demselben Jahre bereits in
Pannonien gewesen ist, ergibt, wie wir sehen werden, die neuge-
fundene Inschrift von Carnuntum.

Die Namen des Kaisers und der kaiserlichen Prinzen sind wohl
erhalten; der Name des Domitian ist, wie dies vielfach in Provinzial-
inschriften ersichtlich ist, nicht getilgt, während für die radikale
Zerstörung seiner gewiss zahlreichen Denkmäler in Rom beredter
als alle Zeugnisse das vollständige Fehlen stadtrömischer Inschriften
(erwähnt wird er in Gemeinschaft mit Vater und Bruder nur in
C. I. L. VI 932, wo jedoch sein Name getilgt ist) spricht.

Die Titulatur bietet einiges Bemerkenswerthe. Dass bei Ve-
spasianus, wie in der Regel bei Nerva, das Cognomen dem Namen
Caesar vorgesetzt worden ist, während die gewöhnliche Namenfolge
Imp. Caes. Vespasianus Aug. ist, dass ferner das Cognomen Domi-
tianus an erster Stelle steht, während er bei Lebzeiten des Vaters
meist Caesar Aug. f. Domitianus heisst, hat wenig Bedeutung.
Wichtig dagegen ist, dass der Imperatorname des Titus im Gegen-
satz zu dem regierenden Kaiser an zweiter Stelle steht und man
dadurch eine inschriftliche Bestätigung dafür erhält, dass die in
den Jahren 74—79 übliche und auf zahlreichen kaiserlichen Mün-
zen erscheinende Titulatur T. Caesar imp. Vespasianus bereits
für das J. 73 die officielle gewesen ist, wenn auch in diesem und
dem vorhergehenden Jahre die Münzen fast ohne Ausnahme den
Imperatortitel bei Titus an die erste Stelle setzen (vgl. die ein-
gehende Ausführung Mommsens: Imperatortitel des Titus in Wiener
Numismatische Zeitschrift III, 1871 S. 463 ff.), wie dies auch in
Provinzial-Inschriften aus den späteren Jahren der Mitregentschaft
des Titus (vgl. z. B. C. I. L. VIII Index p. 1038) mehrfach nach-
weisbar ist. Offenbar hat man sich in den neuen Gebrauch des Titels
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