Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 5.1881

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Inschrift von Samothrake.

Unter den lateinischen Inschriften, die bei den österreichischen
Expeditionen nach Samothrake gefunden worden sind, ist unstreitig
die interessanteste die Mysteninschrift aus dem Jahre 124 n. Chr.
(Archäologische Untersuchungen auf Samothrake I p. 37 tab. 72
= Ephem. epigr. IV p. 53). Der Anfang dieser fragmentirten In-
schrift lautet:

Acilio

C. Bellicio

REGIBVSIOV

i t e r v m ■ m
glabrione
torgvatocos • \
S \CKA accep e'r V\ nt

Die Restitution von Z. 1 ist bis jetzt nicht gelungen; es fehlen,
wie man aus den sicheren Ergänzungen von Z. 2 und 3 schliessen
kann, nur 6—9 Buchstaben, die für zwei Namen kaum ausreichen;
ausserdem ist der sich etwa bietende Name Jov[ino] hier keines-
wegs zulässig. Dass zwei ..Könige" an Stelle des sonst auftreten-
den einen ßacriXeug erscheinen, habe ich mit der Annahme zu er-
klären versucht (a. 0. S. 37), dass man dem Kaiser Hadrian, wahr-
scheinlich bei seiner Anwesenheit in Samothrake, das Ehrenamt des
rex übertragen habe. Ich hatte daher an die Ergänzung der ersten

Zeile zu Jov[e. Imp. n. et......] mit einem zweiten kurzen Namen

gedacht (vgl. Dürr Reisen Hadrians S. 115 n. 80), ohne mir die
dabei bleibenden Schwierigkeiten zu verhehlen. Eine interessante
numismatische Beobachtung von A. v. Sallet: Beiträge zur antiken
Münz- und Alterthumskunde (Berlin 1881) *) ist aber geeignet, auch
auf die richtige Ergänzung dieser Inschrift hinzuweisen. Sallet hat
nämlich gezeigt (S. 10 ff.), dass auf den Münzen von Byzanz sich
in römischer Zeit mehrere sichere Beispiele von „Götternamen und
zwar Demeter, Dionysos, Nike, Tyche, Diva Faustina finden, die
durch das vorgesetzte km als Beamte der Stadt bezeichnet werden. ..
und dass dieselben sogar dies Amt zum zweiten, dritten, ja siebenten
Mal bekleiden". Offenbar ist diese Sitte, wie auch Sallet selbst
hervorhebt, nicht allein auf Byzanz beschränkt geblieben; für Samo-
thrake liefert unsere Inschrift ein wie mir scheint sicheres Beispiel,
dass Jupiter hier im J. 124 als eponymer Magistrat fungirt habe.

*) Die Uebersendung- derselben verdanke ich der Freundlichkeit des Ver-
fassers.
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