Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Beispiele7) angeführt und die herabhangenden Gegenstände zum
Theil für Binden erklärt, wie deren eine auch auf dem Tische
unserer Londoner Vase sichtbar ist. Neben derselben hängen zwei
Zweige mit Blättern und Früchten, und solche sind wohl auch auf
der Achilleusvase zwischen den Binden zu erkennen, während auf
dem Heraklesbilde die das ganze Lager umrankenden Reben dafür
Ersatz bieten. Mit derlei herabhangenden Gegenständen einen Opfer-
tisch ausgestattet gesehen zu haben, erinnere ich mich freilich nicht,
sehe aber, namentlich wenn es Binden und Zweige sind, keinen
Grund, gerade in diesem Punkte die Aehnlichkeit des Opfertisches
mit dem Speisetische zu läugnen8). An sich konnte also der Tisch
vor unserem betenden Alten ebensowohl für Götter wie für Sterb-
liche hergerichtet sein. Das Fehlen eines Götterbildes wird man
gegen die erstere Auffassung nicht geltend machen, da bei Opfer-
scenen ein Götterbild häufiger fehlt als vorhanden ist9), hier um
so eher fehlen konnte, ja musste, wenn das über den betend erho-
benen Händen beigeschriebene OEOI den Tisch nicht einem sondern
mehreren Göttern geweiht zu denken nöthigt. Eher wäre es be-
rechtigt, aus dem Fehlen jedes Sitzes zu schliessen, dass es sich
nicht um die Einleitung zum Mahl für die zwei dargestellten Per-
sonen handle. Alle Analogie alter Darstellungen scheint dafür zu
sprechen, dass nicht eine Mahlzeit sondern eine Opferhandlung ge-
meint ist. Bei den Analogieen denke ich nicht blos an die anders
dargestellten Mahlzeiten, sondern auch an die ähnlich dargestellten
Weihehandlungen. Vor allem schlagend ist die Aehnlichkeit des
von Lübbert in den Annali 1865 S. 84 tav. H edierten und auf ein
Hekateopfer bezogenen Bildes einer schwarzfigurigen Lekythos10).
In diesen Mittheilungen V S. 40 Amn. 75* hatte ich diese Erklä-
rung abgewiesen, der auch Schoene und Stephani nicht beitreten
wollten. Als die neue 'Phineusvase5 bekannt wurde, war mir die
Verwandtschaft beider Darstellungen, die auch stilistisch nicht weit

') Ich kann nur einen Theil derselben vergleichen und kann einen gewissen
Zweifel nicht unterdrücken, sowohl wegen der Zahl als wegen der Form der 'Binden'.
Sollten es nicht blutgefüllte Magen (Od. 18, 44) oder Würste und GKÖpoba oder
irpö|uuua sein? Vgl. jedoch Loeschcke in der Arch. Zeit. 1881 S. 31.

8) Man denke an die später plastisch ausgeführten Kränze an Altären; male-
risch an dem Heroenaltar von Olympia Ausgrabungen von Olympia V S. 39.

9) Vgl. die reiche, doch noch beträchtlich zu vermehrende Sammlung von
Stephani OB. 1868 S. 130 ff.

10) Vgl. Stephani im C. R. 1868 S. 160, Schoene Griech, Reliefs S. 37, Heyde-
inann Die Vasensammlung des Museo nazionale n. 3358
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