Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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oder in den Häusern ihre Cultusschaustellungen ausführend17).
So werden wir wohl auch Piatos (Staat 364 h) orpjpTca be Kai
udvieig em ttXouo"iuuv Gupag idvxe? nicht aussen vor dem Thor,
sondern eingelassen drinnen ihr Gaukelspiel ausführend denken.
Auch da aber — und an reichere Mysten werden wir doch wohl
bei unserem Bilde denken — fand sich je in Hof oder Garten
leicht ein Bäumchen, neben dem das Götterbild aufgepflanzt
werden konnte. Dass die Agyrten auch ein Bildchen in ihrem
Apparat mit herumführten, sagt freilich Plato nicht, aber bei Lucian
und Apulejus hat der Esel, der sich drum Beocpopniog und deae
gerulus18) nennt, auch das Bild der Göttin zu tragen. Dass sie die
Cupia 6ed heisst, macht nichts aus19). Wenn die Verrichtung auf
offenem Platze vor sich geht, scheint das Bild auf dem Esel zu
bleiben. Denn bei Lucian 42, 37 wenigstens wird nicht wie sonst20)
das Abpacken erwähnt, und das ijd) uev 6 Geoqpdpnxos icrrdunv, was
der Esel sagt, hat doch nur Sinn, wenn er im Mittelpunkt der
ganzen Scene gedacht wird, als Träger des Bildes21). Kaum können
wir uns das Bild anders als in einer Aedicula befindlich vorstellen, wie
in einer Darstellung bei Lebas22), und als Sitzbild denken wir es

17) Lucian a. O. 39.

1S) Wegen der doppelten Last: des Bildes und der eingesammelten Gaben,
nennt er sich bei Apuleius 8, 28 et horreum et templum. Der Esel der Galli auch
Phaedrus Fab. IV, 1.

19) Ueber die Verbindung der syrischen Göttin (Aphrodite) mit Kybele vgl.
Foucart a. O. S. 99 f.

2°) Lucian a. 0. Kai Tr)v Geöv evöKeuaaduevoi £uoi ItrdGnKav. C. 38 wird
sie ihm abgenommen, damit der Esel seine Prügel bekomme, 39 wird sie ihm
wieder aufgesetzt.

2I) Auch bei Apuleius 8, 25 an me putas, inepte, iumento fero posse deam
commütere ut turbatum repente divinum deiciat simidacrum egoque miser cogar crini-
bus solutis discurrere et deae meae humi iacenti aliquem medicum quaerere ist die
also ausgemalte Situation gewiss drastischer, wenn sie während der Verrichtungen
vorfällt, als auf dem Marsche. Für jenes spricht auch das crinibus solutis, ver-
glichen mit 27 crinesque pendulas. Und in diesem selben Capitel, wo mitten unter
der ganzen Ausstaffierung für die Aufführung auch deamque serico contectam ami-
culo mihi gerendam imponunt, müssen wir auch dies als so für die Schaustellung
berechnet verstehen.

"J Lebas voy. archeol. pl. 43 ein transportables Kybelebild in Aedicula. Vgl.
Foucart a. O. S. 174, 2. Ueber kleine Tempelchen mit Bildern vgl. Bötticher
Tektonik II2 S. 59, 2—4. Für uns kommen weniger die fest gegründeten in Be-
tracht als die beweglichen, wie des Herakles Dio Cass. 39, 20, des Zeus und der
Hera Diod. 1, 87; goldene vouökoi, von den Karthagern dem tyrischen Herakles
geschenkt, 20, 14, namentlich das aYOtXua in kleinen hölzernen vergoldeten Tempeln,
auf einem Wagen transportiert Herodot 2, 63, doch nicht griechisch wie die meisten
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