Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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uns theils nach Lucian c. 38, wo die Göttin vom Esel herunter-
genommen xauctl Kaönuevn Kai oük e'xoucra ötxöjq öbeuoi heisst, theils
nach c. 41, wo die gestohlene goldene Schale ev tuj koXttuj tfjg 0eoö
(Apul. 9, 10 in ipso deae gremio) gefunden wird. Also etwa wie die
attischen Kybelebilder23), die nun wieder mit dem Tempelchen un-
serer Lekythos eine schon von Stephani a. 0. bemerkte Aehnlich-
keit haben, wenn sie auch mit der Aedicula nur ausnahmsweise
gleich diesem mehr breit als hoch sind24). Sind diese von Stein,
einst entweder zu häuslichem Cult aufgestellt oder ins Heiligthum
geweiht, so ist das Tempelchen unseres Vasenbildes sammt dem
hohen Schaft, der es trägt, augenscheinlich von Holz, wie wohl
auch das vom Esel getragene Bild bei Lucian, jenes auf dem Schaft
aber gewiss von dem Priester selbst zur Stelle getragen. Die Auf-
richtung auf hohem Schaft, wenn auch nach der Natur des Materials
oder der Bestimmung getragen zu werden modificiert, ähnelt doch
dauernden Gründungen von Götterbildern, Dreifüssen, Hydren und
andern Anathemen auf schlanken Säulen20), namentlich auch inso-
fern unser Bildtempelchen neben dem Opfertisch aufgestellt ist, wie
sonst die Götterbilder neben Tisch oder Altar. Auch den Geoqpd-
pnxov bei Lucian müssen wir während der Verrichtung neben dem
Tisch stehend denken, und wo das Bild vom Esel abgenommen
wird, bei längerem Aufenthalt und minder ambulantem Charakter der
Culthandlung im Hause der Reichen26), der Tnv 9eöv udXa ätfuevog
trj ouda UTrebeEaTO Kai Guoiav auifj tt p o g r\"raYev, werden wir sie auf
oder neben dem Tisch stehend denken müssen, auf dem ihr geopfert
wird27). Allerdings bei Lucian c. 37 scheint es, als würden die
Gaben, Geld und Viktualien, welche von den Agyrten, die ja davon

andern. Nur äusserlich ähnlich sind die Automaten des Heron automat p. 246 f»
und Spirit. p. 191 B. Auch die Aedicula mit Ahnenbildern (s. Benndorf Antike
Gesichtshelme und Sepulcralmasken S. 76, 3, dazu wohl Hesychius xaAicü zu be-
ziehen) sind verschieden. Desgleichen tempelartige Kästen auf Vasenbildern, selbst
wenn mit Thüren z. B. Elite ceram. 3, 73. Fraglich ist ebenda 1, 74 das Tem-
pelchen in der Höhe, ob ähnlich wie auf der Petersburger Vase CR. 1872 T. 1«

23) Vgl. Conze Arch. Zeit. 1880, S. 1 ff., v. Sybel Katalog S. XV.

24) So die seltenen, zwei Göttinnen nebeneinander sitzend darstellenden bei
Conze a. O. S. 3 I (vgl. diese Mittheilungen V S. 41, 76), von Foucart a. 0. S. 100, 1,
auf Kybele und die syrische Aphrodite gedeutet, von andern anders.

25) Aehnlich auch die von Schoene a. 0. erklärten Keliefbilder n. 66 u. 67.

26) Am andern Morgen c. 41 ctpd|uevo<; xr|v Geöv avBic, d-rrrjeiv äy.a toT<;
aYupxait;. In demselben Capitel wird sie in einer grossen klu(ur| wieder abgenommen
und zur Göttin des Ortes im Tempel gestellt.

27) Vgl. Bötticher Tektonik II2 S. 537, 7.
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