Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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ihren Namen haben, nach ihren fanatischen Productionen einge-
sammelt werden, sogleich eingesteckt, ohne erst vor der Göttin auf
einem Tisch aufgelegt zu sein, ähnlich bei Apulejus 8, 28 das sinu
recepere patulo. Doch in den gleich folgenden Worten avidis animis
conv adentes omnia et in sacculosq8) huic quaestui de industria paratos
farcientes, weist das convadentes, wie mich dünkt, auf vorhergegan-
gene Aufstellung. Jedenfalls erwähnt Lucian a. O. auch die Ver-
wendung der Gaben zum Opfer für die Göttin oi be toutuiv erpe-
cpovio xai xr}v eV euoü KOUi£ouevnv Oeöv eGepönreuov. Dass die
Gaben eigentlich ihr gegeben werden, sagt er deutlicher c. 35, wo
er den tdvaiöog yepwv als e\g tujv tr\v 6eöv if|v Cupiav eg rag Kuuuag
Kai Toüg crfpoug TrepiqpepdvTiuv Kai xf]v Geöv eiraneiv dvaYKa£dvTuuv nennt.
Die Theilung der Gaben zwischen der Göttin und ihren Priestern
entspricht ja sonstigem Opfergebrauch und von ihrer öucJia spricht
nicht nur Lucian, sondern auch Plato a. 0. nennt die Guoiai Kai
eTTUJÖai und n.bovwv xe Kai eopiujv. Deutlich erwähnt wird der Tisch
bei Apulejus 8, 26 conlaticia stipe de mensa und gewiss auch 8, 29
mite ipsam mensam, wo schon die Hervorhebung, weiter aber auch
die der Göttin und den Agyrten gemeinsame Widdermahlzeit an
den Opfertisch zu denken nöthigen. Auf den Tisch also wurden
die Opfergaben wohl nicht von den Gebern, sondern von den
Agyrten gelegt, gleichwie in anderen Culten29); von dem Tische
aber wanderten sie in jene säcculi, wie ja auch wieder z. B. vom
Asklepiospriester Karion berichtet wird bei Aristophanes Plutos 676:

eTreii' dvaßXeipag öpu) töv iepea
Tovg qpGoig äqpapTrd£ovTa Kai rag icxxdbag
octtö Tfjg TpaTTe£n.g ifjg iepäg. uerd toöto be
Trepif|X6e rovg ßuu|uoug aTraviag ev kukXuj
ei' ttou TTOTravov ein. ti KaxaXeXeiuuevov
eireira TaöB' r\filev eig craKtav Tivd.

Der Lustrationsapparat Trepippavrripiov oder xepv^ 30) und die

28) Damit möchte ich den Korb unter dem Tische unsres Vasenhildes lieber
vergleichen als, wie Benndorf erinnerte, mit dem ßfßXuuv ö'uctboq Mouocuou u. s. w.
Ka0' ac; 9ur]Tro\oüai bei Plato Staat 364 e.

29) Vgl. Bötticher Tektonik II2 §. 59.

30) Vgl. Bötticher Tektonik II §. 51, 10. Auch der Apollon der kürzlich zu
interessantem Vergleich von Sallet in der Zeitschrift für Numismatik 1881 heran-
gezogenen Münze dürfte doch wohl zu dem Zweig in der Rechten am 1. Hand-
gelenk ein Perirrhanterion tragen gleichwie freilich sonst gewöhnlich (vgl. Jahn
Einleit. zur Beschr. d. Münch. Vass. S. XCIV) das Salbgefäss.
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