Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Antikensalnrnluiig des Fürsten Liechtenstein.

In der reichen Sammlung von Kunstgegenständen im Besitze
Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten Johann von und zu Liech-
tenstein, welche sich im Erdgeschosse des fürstlichen Palais der
Gemäldegalerie in Wien befinden, ist die Antike durch Vasen, so-
wie durch eine Anzahl Terracotten und einige minder erhebliche
Marmorstücke vertreten. Von den erstgenannten hat eine Amphora
mit jederseits einem Epheben in palästritischer Action ihre Publi-
cation an dieser Stelle bereits gefunden*); das Wichtigste unter den
übrigen Stücken enthält das nachfolgende Verzeichnis, welches von
einer Besichtigung der Sammlung herrührt, die wir mit hoher Ge-
nehmigung Sr. Durchlaucht im Juli 1880 vornahmen. O. B.

Terracottastatuetten.

1. Mädchen, stehend (1. Standbein), in langem bis an den
Boden reichenden Chiton und über die 1. Schulter zurückgeschla-
genem Himation, hält in der gewandverhüllten R. den Blattfächer
vor der Brust, die L. zieht, gleichfalls unter dem Gewand, die von
der r. Hand herabfallenden Falten schräg abwärts, wodurch eine
angenehme Quertheilung in den Faltenfluss kommt. Das anmuthige
Gesicht ist geradeaus gewandt. Das getheilte Haar ist wellig nach
beiden Seiten gestrichen und im Knoten auf dem Scheitel aufge-
steckt; ein rückwärts breites Tuch ist darumgelegt, vorn in der
Mitte mit einer Agraffe zusammengehalten**). Sie trägt Ohrringe,
die Füsse sind beschuht. — Tanagräische Terracotte bester Arbeit.

H. mit der zugehörigen niedrigen Basis 0-245. Farbenspuren (nur sehr
schwach): Roth am Gewände, das Haar braunroth. Viereckiges grosses Brennloch
auf der nur angelegten Rückseite.

2. Junges Mädchen; das r. (nicht sichtbare) Bein ist Stand-
bein, der 1. beschuhte Fuss hebt sich zum Schritt; sie trägt Chiton
und Himation, das bis zu den Knieen reicht und wie eine Capuze
über den etwas geneigten Kopf gezogen ist, unter welcher das
frische Gesicht mit Stumpfnäschen und lächelnd geöffnetem Mund
hervorsieht; die R. hält, vom Gewand verdeckt, dessen Säume am
Halse zusammen, die gesenkte L., bis an die Hand von umgeschlun-

*) Arch.-epigr. Mitth. V S. 139 Taf. IV.

■*) Dieselbe Haartracht Kekule griech. Thonfiguren aus Tanagra Taf. XI.
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