Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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der Julier von St. Remy aus caesarischer Zeit und des, wie jetzt
feststeht, dem Tiberius gesetzten Bogens von Orange. Sie sind für
die Betrachtung der Einzelnheiten weit geeigneter als die Originale.
Die provinziale Technik in den Sculpturen dieser Denkmäler ist
eigenthümlich und gleichartig: in beiden sind die Contouren der
fast lebensgrossen Darstellungen mit tief eingehauenen Linien um-
zogen. Auch in den Details stimmen sie mehrfach miteinander
überein.

Auf der Nordseite des Tiberiusbogens, der am besten erhal-
tenen, ist eine Scene aus dem Kampf zwischen Römern und Gal-
liern dargestellt, und zwar von Fussvolk; nur im Hintergrund sieht
man Reiter. In der Gruppe links (vom Beschauer) ist die Mittel-
figur ein völlig gerüsteter Legionär, mit dem Helm, der über die
Tunica bis auf die Mitte der Oberschenkel reichenden lorica hamata
(deren Schulterstücke und Lederstreifen am Oberarm deutlich sicht-
bar sind) und grossem Schild in der Linken (auf dem ein Schiffs-
schnabel und eine Seegais die Zeichen sind); mit der Rechten holt
er zum Schlag mit dem Schwert auf einen gefallenen Gallier aus.
An beiden Beinen sind die ocreae völlig deutlich. Auf der stark
verwitterten Südseite ist ein Reiterkampf dargestellt.

Stark verwittert sind auch die sämmtlichen Reliefs des Julier-
grabmals. Auf der Nord- und Südseite sieht man ebenfalls Reiter-
kämpfe. Das Relief der Westseite dagegen zeigt wiederum sieben
(oder acht) römische Legionare im Fusskampf mit den Barbaren.
Man erkennt jedes Stück der Bewaffnung, wie z. B. ganz deutlich
die Pila Nur die unteren Partien sind verwittert und undeutlich.
Dennoch glaubte ich an dem links (vom Beschauer) in der Mitte
zusammengesunkenen Legionär, welcher mit der Linken den Schild
zum Schutz über sich hält, an dem vorgestreckten linken Bein die
Schiene zu erkennen; das rechte ist bis auf den Fuss ausgebrochen.
Auch der Legionär in der entsprechenden Gruppe rechts, der eben-
falls den Schild über sich haltend kniet, sowie der hinter ihm das
Pilum erhebende, schienen mir die Beinschienen zu haben. Doch
sind sie bei der Corrosion der ganzen Bildfläche nicht deutlich.
Dasselbe gilt von den zwei einzigen Legionaren auf dem Relief der
Ostseite, deren Beine sichtbar sind; auch hier sind die Linien der
Beinschienen durch die Verwitterung unkenntlich geworden.

Bei der schon hervorgehobenen grossen Ueb er ein Stimmung in
allem Technischen, welche zwischen den Reliefs des Tiberiusbogens
und den älteren des Julierdenkmals herrscht, glaube ich es jedoch
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