Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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als höchst wahrscheinlich bezeichnen zu dürfen, dass hier wie dort
die Legionare sämmtlich mit Beinschienen dargestellt waren.

Hierzu kommt endlich noch das römische Relief von der Porte
noire zu Besangon, dessen Abguss sich ebenfalls im Museum zu
St. Germain (Saal XX, N. 4203) befindet. Es ist eine einfache,
etwas plumpe Arbeit des ersten Jahrhunderts. Dargestellt ist ein
sitzender Kaiser (oder Feldherr): hinter ihm steht ein Legionär mit
vortrefflich wiedergegebenem Pilum. Nur vom linken Bein ist der
untere Theil sichtbar. Auch hier glaubte ich noch die Andeutung
der Beinschiene zu erkennen.

Angesichts des völlig sicheren Zeugnisses auf dem Relief der
Nordseite des Tiberiusbogens wird man kein Bedenken tragen, auch
die drei anderen völlig gleichartigen Darstellungen trotz ihrer un-
vollkommenen Erhaltung als beweiskräftig zu acceptieren.

Diesen jüngst vor den Bildwerken gemachten Aufzeichnungen
werden sich gewiss, wenn man weiter aufmerkt, noch andere hinzu-
fügen lassen. Wenigstens im ersten Jahrhundert wird also die
Beinschiene der vollen Rüstung des römischen Legionars noch nicht
gefehlt haben.

Berlin. E. HÜBNER.

Eine unbekannte Replik der Laokoongruppe.

Für die Literatur der Laokoongruppe dürfte nachstehende
handschriftliche Notiz, auf die ich in der vatikanischen Bibliothek
stiess, nicht ohne Interesse sein. Das betreffende, von einem Ano-
nymus verfasste Manuskript (Ottoboniana Nr. 2975) trägt den Titel:
„Descrittione delle Pitture piu Insigne che si trovano nette Chiese di
Roma". Bei der Beschreibung der Kirche „Santa Potentiana alle
radici del CoVe Viminale" findet sich nun folgende Stelle, die ich
ihrem wesentlichen Inhalte nach mittheile:

„La restauratione di essa Chiesa et Cupola ordirib Francesco da
Volterra, dove nel rifondere per fare la Cupola, Ii rnuratori trovarono
la statuta deW Laoconte in pezzi, ma o per malitia, o per fingardagine
non tirono fuora altro die una gamba senza piede, et un pngno, il
quäle mi fu dato dopo alcuni anni, e molti della professione V hanno
visto, mi fu dopo arrubato; era mäggiore di quello che sta in Belvedere,
e di bellissima maniera, di modo che si crede da quelli dello essercitio,
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