Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Bedrohten, sondern einen Vermittler erblickt, der zwei Streitende
zu trennen bemüht ist. Ich darf hinzufügen, dass ein genauer
Kenner dieser Dinge, dem ich Tischbeins Abbildung vorwies {Collect,
of engravings of anc. vases I, Taf. 23), sofort dieselbe Auffassung und
zugleich die Ueberzeugung kundgab, jeder Special-Gelehrte Averde
in dieser Darstellung denselben, vielfach nachweisbaren Typus er-
kennen, der jetzt (nach W. Klein's und Brunn's einschlägigen Er-
örterungen, Verhdlgn. der Philolog. Versamml. zu Innsbruck S. 152 ff.)
einstimmig auf den Waffenstreit des Aias und Odysseus bezogen wird.

Angesichts dieser Sachlage empfiehlt es sich, von jedem Zu-
sammenhang zwischen Bild und Schrift vorläufig (und wegen der
gi affito-artigen, auf nachträgliche Einritzung hindeutenden Beschaf-
fenheit der letzteren auch wohl endgültig) abzusehen und die über-
lieferten Züge noch einmal völlig unbefangen zu betrachten. Viel-
leicht verrathen sie uns also befragt ihr bisher sorglich gehütetes
Geheimniss. Die Inschrift lautet, ihres archaischen Charakters ent-
kleidet, wie folgt:

AIITTETTYTI. OITOIONNYETTAZATOXEEN

Zweierlei ist hier zu bemerken: das achte Zeichen ist nicht
ein vollständiges T (T), sondern ein blosser Verticalstrich, der —
wenn er nicht als y gedeutet werden soll, was nicht zum Ziel zu
führen scheint — Aenderung oder Ergänzung heischt. Im letzteren,
hier von vornherein wahrscheinlicheren Falle bietet sich zunächst die
auch von Hrn. Comparetti beliebte Vervollständigung zu T dar. Das
zehnte Zeichen hingegen ist das einzige, welches von Verschiedenen
verschieden, von den Einen als p, von den Anderen als ö gelesen
worden ist; es scheint daher methodisch geboten, dieses zweifelhafte
Element vorerst von der Untersuchung auszuschliessen. Und mehr
als dies: es ist a 'priori nicht unwahrscheinlich, dass in diesem einen
Falle eine unrichtige Wiedergabe stattgefunden hat, denn das Zeichen
ist dem Anfangs-a zu ähnlich, um füglich einen anderen Laut ver-
treten, nicht ähnlich genug, um mit ihm identisch sein zu können.
Dies die einfachen Voraussetzungen, auf Grund deren eine Lesung
zu suchen ist, vorbehaltlich der Umkehr von diesem Wege, falls er
sich als ein Irrweg erweisen sollte. Dessen bedarf es aber nicht,
wenn wir anders lesen dürfen:

Aiipn. TTutivos' Toiöv vu eTTdcraTo xneiv-

'Flaschner litt Durst; da hat er sich denn solch ein (handliches)
Ding zum Eingiessen angeschafft.'
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