Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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eines Stieres, links ein rechtsstehender Rabe mit einem Pfeil im
Schnabel, rückwärts ein linksstehender Rabe mit je zwei Buckeln
an den Füssen.

nabarze
deo

pro • sal • ampliati
avg • n • disp • et
5 sva ■ svorvmq_
omni vm
protas- vikar
ei v s

Z. 4 Aug{usti) n(ostri) disp(ensatoris) cet. Mitgetheilt im Erdelyi
Muzeum VIII (1881) n. 10 p. 297—298 (vgl. p. 295, 296). Nabarzes
war ein Beiname des Mithras, wie eine Inschrift aus Aquincum
(C. I. L. III n. 3481) beweist, wo invictus Mythra Nabarzes erwähnt
wird; invictus deus Navarzes kommt auf einer stadtrömischen In-
schrift vor (C. I. L. VI n. 742). Graf Geza Kuun , der ausge.
zeichnete Orientalist, Präsident des hist.-arch. Vereines des Hunyader
Comitates, war so liebenswürdig, mir in Bezug auf diese Inschrift
folgende Erläuterung mitzutheilen und zu gestatten, dieselbe in
diesem Berichte zu benützan:

„Die Marmorsäule, welche ausserhalb des Castrum unter den
Uberresten eines Mithrastempels im Verlaufe dieses Sommers (1881)
ausgegraben wurde, ist dem Gott Nabarza gewidmet, nabarze deo
usw. (das e in der Form Nabarze ist gewiss archaistisch für ae ge-
schrieben). Da alle übrigen Inschriften dieses Fundes sich auf den
Gott Mithra beziehen, so ist es an und für sich wahrscheinlich,
dass der Name Nabarza hier statt Mithra steht. Bei C. Curtius
kommt der Personenname Nabarzanes vor (Lib. III, cap. VII et
passim: 'Nabarzanes praetor Darii), welcher von Nabarza mittelst
des bekannten persischen Suffixes ana gebildet ist (vgl. altp. Vivä-
nae Beh. III 54). Das persische Suffix äna bildet bekanntermassen
relative Adjectiven. Wie der Personenname Mithrenes (bei Q. C u rt i u s
III, 12; V, 1, 8; Mi9pr)vn? bei Arrian) von Mithra {Mithres bei
Q. Curtius), so wird Nabarzanes von Nabarza gebildet. Die Endung
des Namens Nabarza ist das altpers. und altbaktr. Suffix a, welches
zur Bildung von Hauptwörtern verwendet wird. Dem z-Laut der
altbaktr. Sprache entspricht häufig in der alt- und neupersischen
Sprache d, welche Lautveränderung auch hier in der neupers. Form
nabarda (vgl. den altbaktr. Namen Nabarzanes) vorkommt. Nabard
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