Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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bedeutet in der neupers. Sprache Kampf, und Nabarza den
Starken, Tapfern. Von Mithra als Sonnengott wird schon im
Rigveda gesagt, dass die Morgenröthe ihm Kraft verleiht, während
sie seinem Bruder Varuna nur Täuschungen bereitet (III, 61), aus
diesem Grund wird von der Morgenröthe gesagt: 'rnaM mitrasya varu-
nasya mdya (Letture sopra la Mitologia vedica fatte dal prof. Angelo
De Gubernatis. Firenze, 1874. S 66—67). Mithras ist bereits in einer
späteren Epoche der altpers. Mythologie zum obersten Kriegsgott
geworden. Darius hat vor der Schlacht von Arbela den Sonnengott
Mithra angerufen (csolem Mithren, sacrumque et aeternum invocant
ignem bei Q. Curtius, lib. IV, 13), damit er ihm Sieg verleihe,
während Alexander die Göttinnen Minerva und Victoria anruft. Als
der Mithrascult während der römischen Weltherrschaft sich ver-
breitet hat, heisst der Sonnengott: invictus, anicetus, dvitcnros. Der
Name Mithras, welcher selbst eben nur ein Attribut der Sonne,
des Sonnengottes Sürya ist und ihn als den Freund des Menschen-
geschlechtes bezeichnet (Mit-tra), wurde, wie es scheint, in den län-
geren Invocationen von mehreren attributiven Adjectiven begleitet,
welche allmälig zu selbstständigen Namen dieser Gottheit geworden
sind. Auf einer Inschrift der Sammlung unseres hist. und archaeol.
Vereines zu Deva steht cautus pates*) zu lesen, in dieser Widmung
wird also Mithras cautus pates oder pater genannt. Der Name Nabarza
entspricht vielleicht schon der ursprünglichen Auffassung der Sonnen-
gottheit, welche alltäglich ihre Macht entfaltend die Finsterniss
besiegt. Die Sonnengottheit wird auch sonst der Starke, der
Mächtige genannt, so z. B. erklärt Fl. Josephus den Namen
Xauipiirv, hebr. Simsdn mit icrxopög (Antiqu. V, 10)."

Vgl. Erdelyi Muzeum 1. c. p. 295, 296, 297—298).

Nach verlässlichen Mittheilungen wurden auch folgende zwei
mithr. Inschrifttafeln in dem erwähnten Mithrastempel gefunden:

43. Neu. Weissmarmorne Tafel, mit Mithrasdarstellung, deren
linksseitige obere Hälfte fehlt, 0'23 h., 0'19 br. Gegenwärtig bei
Bischof v. Mihalyi in Lugos. Unter der Vorstellung mit barbarischen,
mehr eingeritzten als gemeisselten Buchstaben:

AVRELIVS VALENTINVS
EX VOTO P OSV!T

44. Neu. Weissmarmorne Tafel, mit Mithrasdarstellung, deren

*) S. n. 41 dieser Suite.
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