Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Anton Lekisch befindet. Auf der
Plinthe der aus grobkörnigem weissen Marmor gearbeiteten Statue
steht die Inschrift folgendermassen:

d m ||

Der Irrthum Neigebaur's (Dacien p. 110 n. 126), der den Stein
sah, wurde dadurch veranlasst, dass er die rechtsseitigen verticalen
zwei Linienzüge nach m, welche die Einrahmung der Plinthe bilden,
für Buchstaben hielt (d m ii), während diese Einrisse auch auf der
linken Seite der Plinthe sich befinden.

54. C. L L. III n. 1544. Revidirt. In Szendelak neben Gavos-
dia, im Garten des jüngst verstorbenen kön. ung. Honvedministers
Bela v. Szende, befindet sich eine Sitzbank aus porösem krystalli-
nischen Kalkstein (Länge 1'70, Höhe des Sitzes 0 45, dessen Breite
0*33, Höhe der Rückenlehne 0*30), an deren Rücklehne und Unter-
theil folgende 0*17, respective 0*15 hohe und 0*15—0*20 von ein-
ander entfernte Buchstaben sichtbar sind (die Buchstaben der oberen
Reihe deuten auf eine gute Zeit, während die der unteren Reihe
unregelmässiger und dünner, vielleicht aus einer späteren Zeit
stammen):

adalap
hfn

Nach Bela Szende, wäre diese Sitzbank in Tinkova neben
Govasdia am rechten Ufer der Temes vor ungefähr 40 Jahren ge-
funden worden in dem dort befindlichen Eisenbergwerke, welche auch
die Römer schon betrieben haben sollen. Es ist indess wahrschein-
licher, dass diese Bank, die ein Sedile aus einem Amphitheater ist,
aus Värhely stammt, zugleich mit einer andern, welche aus weissem
Marmor gearbeitet und rechterseits mit einer Lehne versehen, sich
ebenfalls im Szendelaker Garten befindet. Nicht unmöglich ist es
aber auch, dass beide Sitzbänke aus dem Amphitheater von Tibiscum
nach Szendelak gekommen sind (bei welcher Conjectur Fodor und
nach ihm Neigebaur einen Fehler begehen in Bezug auf die Prove-
nienz, indem sie das erwähnte inschriftliche Sedile nach Brettye ver-
legen), wenn nur — und das ist hier das massgebende — in Tibis-
cum auch ein Amphitheater oder Theater war, was aber bisher
noch nicht bewiesen ist. Bis diese Frage erledigt^sein wird, will
ich die Inschrift dieses Sedile zu denen von Värhely zählen, und
ebenso das inschriftlose zu den Sarmizegetusaner Funden.

Archäologisch-epigraphische Mitth. VI. q
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