Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Diese Einkratzungen stammen wahrscheinlich von einem mit
den römischen Schriftzeichen bekannten Barbaren. Nicht unmöglich,
dass diese Einkratzung in senkrechter Richtung gelesen in Uncial-
(d, b) und Cursivschrift den Namen Decebal verewigt. Ich nahm
dieses Stück unter die römischen Inschriften auf, damit jene, welche
diese Denkmälerclasse verstehen, sich darüber äussern können.

29. Veczel. Eingeritzt an einen runden Ziegel.

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G(aius f) Jiidius f)

Gefunden 1881. Vom H. Advokaten Dr. Lazar Petkö in Deva
dem hist.-arch. Vereine des Hunyader Comitates allda geschenkt.

30. Värhely. Aus dem Funde, der in den Ruinen des Mithras-
tempels in Varhely im Jahre 1881 durch den Eigenthümer des
Bodens gemacht wurde, kamen zwei Relieftafeln mit Mithras-
Darstellung durch H. Dr. Julius Niamessny, Fiscal des Temeser
Comitates, in den Besitz des südungarischen hist.-arch. Vereines in
Temesvar. Auf der einen der Tafeln, die oben abgerundet ist (0*14 —
0'18 h., 0'1272—0*14 br.) befindet sich die gewöhnliche Darstellung
des Mithrasopfers, über welcher an dem halbkreisförmigen Saume,
der auf dem oberen Theile der Tafel angebracht ist, sieben Altär-
chen in der Form von sieben Flämmchen oder Blätterchen vor-
kommen. Auf dem oberen Theile der andern (O^S1/^ h., 0'30ya br.)
Mithrastafel sind diese mystischen Objecte als Altärchen ebenfalls
dargestellt. Wie die Siebenzahl der auf Mithras - Darstellungen
gewöhnlich vorkommenden Altärchen oder Flämmchen zu deuten
ist, mag dahingestellt bleiben. Interessant an der erstgenannten
Tafel ist es wohl, wie der Christ, denn ein solcher muss es gewesen
sein, in dessen Besitz vielleicht die Tafel kam, an der Repräsenta-
tion die Bedeutung dieser heidnisch-heiligen Zahl durch die Anbrin-
gung der Monogramme Christi, gewiss durch einen Akt von christ-
lichem Exorcismus zu vertilgen suchte. Er hat nämlich diese Mono-
gramme an verschiedenen Theilen der Darstellung ebenfalls sieben-
mal eingeritzt, und zwar in folgender Form:

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