Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 147
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1882/0151
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
147

Die beiden einander völlig gleichen Bügel überspannten im
Halbbogen die ungefähr 18 Cm. weite Mündung eines Eimers, auf
dessen Rand sie niedergelegt vollkommen passten. Ihre umgebo-
genen und dünneren, abgekanteten und mit einem profilirten Knopfe
versehenen Enden3) bewegen sich jederseits in den zwei Ringen
der etwa 8 Cm. hohen und 6 Cm. breiten Beschlagstücke, welche
an dem ihrer starken Krümmung nach zu schliessen ziemlich bau-
chigen Kessel gelöthet waren. Die Ringe ragten bei zwei Cm. über
den Rand des Gefässes hinaus.

Der eine der Beschläge wird von zwei über einander ange-
brachten Masken eines bärtigen Satyrs4) und einer Mänade gebil-
det, welche einen schnabelförmigen Ausguss verkleiden, dessen Mün-
dung von dem weit aufgerissenem Maule des Satyrs und dessen
Wandung von dem länglichen Gesichte der Mänade gebildet wird
(vgl. die Profilansicht des Beschlags Tafel II rechts). Mit vielem
Geschicke ist der ungesucht sich darbietende Gegensatz in der Cha-
rakteristik der beiden Masken verwertet. Das breite Gesicht des
Satyrs (Tafel I links) ist wie vom lauten Schreien verzerrt. Seine
Nase ist klein und knollig, die niedrige aber breite Stirne über der
dünnen Nasenwurzel stark angeschwollen, die Brauen sind hinauf-
gezogen, die Augen blicken starr und glotzend. Die fleischigen
Ohren sind vom Pferde genommen, zeigen aber dem menschlichen
Ohre entlehnte, wohl aus Missverständniss allzu rund und klein gebil-
dete Läppchen. Der steife, borstige Bart umgibt die herzförmige
Mundöffnung und zieht sich längs den Wangen herab. Das strup-
pige , über der Stirn aufstehende, rechts und links in je fünf
Büscheln flatternde Haar trägt nicht wenig zu dem phantastischen
Aussehen dieses halbthierischen Wesens bei, dem kein wirksameres
Gegenbild als der ernst und sinnend gesenkte Kopf der Mänade
gegeben werden konnte. Die Formen der weiblichen Maske (Tafel
I rechts) sind durchaus edel: die Stirne ist niedrig und glatt, die
Nase lang mit breitem Rücken, die grossen Augen liegen tief zwi-
schen schweren Liedern und unter sanftgeschwungenen Brauen, der
Mund ist klein und nur leise geöffnet, das Kinn voll und rund.
Das Haar bedeckt die Ohren und ist vom Barte des Satyrs
deutlich geschieden. Der trefflichen Erfindung steht die technische

3) Davon ist eines abgebrochen; sonst ist die Bronze fast tadellos erhalten.

4) Ueber den Typus der Silene und bärtigen Satyrn vgl. die Erörterungen
Furtwänglers in den Ann. delV Inst. XL1X (1877) p. 232 sq.

10*
loading ...