Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Ausführung nicht nach. Mit liebevollem Fleisse, der sichtlich kaum
Genügen fand, ist das Ganze mit dem Grabstichel bis in alle
Einzelheiten übergangen und vollendet worden. Selbst die kleinen
Unregelmässigkeiten, die bei einem so weit gehenden Ausarbeiten
mit freier Hand nicht fehlen können, wie denn beispielsweise das
linke Ohr des Satyrs fleischiger, das rechte schlanker und spitziger
geriet, die Nasenspitze des weiblichen Gesichtes etwas schief nach
rechts zu stehen kam und die linke Braue desselben höher ge-
schwungen ist als die rechte, steigern nur wie unabsichtlich den
lebensvollen Ausdruck der Köpfe. Da dieselben auf das sorgfältigste
geglättet wurden, breitete sich gleichmässig über die ganze Ober-
fläche eine tiefgrüne, stellenweise bläuliche Patina aus, welche dem
Stücke keinen geringen Reiz verleiht5).

Der von den Masken gebildete Ausguss machte aus dem Ei-
mer zugleich ein Giessgefäss6). Der Henkel wegen konnte der
Schnabel füglich nur an der Stelle eines Beschlages angebracht
werden. Gleich als ob der Zierrat aber sich gesträubt hätte, den ihm
von rechtswegen zugewiesenen Platz zu räumen, scheint der Ausguss
mehr unter dem Ornamente versteckt als zu voller äusserer Geltung
gebracht. In der That eignete sich der Eimer wenig zur Giess-
kanne und immer musste mit dem Systeme seiner Henkel die neue
Bestimmung in Widerspruch gerathen, während dieselbe anderseits,
trotzdem sie sich der gegebenen Form völlig unterordnete, auf letz-
tere doch nicht ohne jegliche Rückwirkung bleiben konnte. Waren die
beiden Beschläge an dem regelrecht geformten Eimer völlig sym-
metrisch gebildet, so stehen sie nun in dem Verhältnisse von vorn
und hinten und sofort stellt sich wie auch an sonst wohl gearbeiteten
Statuen ein Vernachlässigen der Kehrseite ein. In keinem Betracht
kommt der Beschlag mit dem ziemlich flach gehaltenen Kopfe der

5) Ueber die Patina der dodouäischeii Bronzen vgl. die sehr belehrenden
Bemerkungen Heuzey's in Carapanos Dodone et ses ruines p. 217 fg.

6) Die Verse des Menander (Meineke fragmenta comicörum graecorum IV

P. 78):

Ol 6' ap-näoavTec, tou«; kö6ouc toüc; 0TpOYTlJ^o,Jc

üopeuov ävopeiÖTCtTci Kniroupoi udXiv
beweisen den Gebraucli von Eimern beim Gartenbau, wo es sieh als wünschens-
wert herausstellen mochte, das aus dem Flusse oder der Cisterne geschöpfte Wasser
in dünnem Strahle wieder ausgiessen zu können. Dass hier unter Kdooi Eimer zu
verstehen sind, geht aus der Bemerkung des Lexikographen hervor : rjvxXouv Xejew
bei, keil Kctoouc; ou bei \eyetv, äAX' ävT\iavT\r)Tr]pa<;. — Man vgl. zu den folgen-
den Auseinandersetzungen Semper Stil II S. 3, 101, 105 der zweiten Ausgabe,
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