Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Athena (Taf. II links) den Masken des Satyrs und der Mänade auch
nur entfernt nahe. Aus schlechter legiertem Metalle und deshalb der
schönen spiegelglatten Patina des vorderen Beschlagstückes ent-
behrend, ist er flau und flüchtig in der Ausführung;, welche manchen
von selbst sich darbietenden Vortheil ungenützt liegen liess. Der
Kopf der Göttin trägt einen korinthischen Helm; dessen Kappe ist
mit Schuppen bedeckt, das zurückgeschobene Visir zeigt das Nasale
und die Ausschnitte für die Augen, und rechts und links davon
sind zwei symmetrisch in Profil nach einwärts gekehrte Flügel
befestigt7). Wie nahe es lag, ähnlich wie an der berühmten Büste
der Athena Albani in der Glyptothek zu München8) Kopf und Helm
in stärkerer Ausladung und spitzerem Winkel aneinander zu fügen,
so wurde doch verzichtet, das Motiv des vorderen Beschlages in
solcher Weise auf der Rückseite des Gefässes nachklingen zu lassen.
Unorganisch setzt sich das platte mit einem Geschmeide geschmückte
Halsstück unter dem scharf abgeschnittenen Kinne an und wenig
ansprechend sind die rechts und links vom Kopfe abstehenden Spangen
und die Art, wie der Helmbusch an derselben Stelle, die an dem
vorderen Beschläge eine schlichte Palmette einnimmt, zwischen
den beiden Ringen hinaufragt. Haar und Halsschmuck, Flügel und
Schuppen des Helmes sind mit dem Bunzen bearbeitet und der
Umstand, dass dieses Werkzeug an dem anderen Beschläge nirgends
angewendet erscheint, möchte allein schon hinreichen, um in beiden
Stücken die Arbeit verschiedener Hände zu erkennen.

Je mehr man den von den Masken gebildeten Ausguss als
das Erzeugniss einer Künstlerlaune, als einen vielleicht mehr sinn-
reichen als strengen Anforderungen struktiver Durchbildung ent-
sprechenden Einfall zu nehmen geneigt wäre, um so mehr über-
rascht es, in unseren Sammlungen ähnliche Stücke zu finden9). So
besitzt das k. k. Museum für Kunst und Industrie die 1870 in

7) Vgl. zu dieser Helmzier die Pallasköpfe auf verschiedenen griechischen
Münzen (siehe die Nachweise von Eckhel doctrina numortim vet. vol. V p, 84 fg. und
-von Imhoof-Blumer in der Numismatischen Zeitschrift III S. 44) sowie auf ita-
lischem Schwergelde (Marchi e Tessieri X' Aes grave del Museo Kircheriano, Incerte
-Taf. "V 15 und Supplement rechts Fig. 1) und den älteren Denaren der römischen
Bepublik (Klügmann l'effigie di Roma S. 45 ff).

s) Brunn Beschreibung der Glyptothek n. 92 S. 115.

9) Vgl. Friederichs Berlins'antike Bildwerke II S. 323 n. 1537: „Ausguss
eines zweihenkligen eimerförmigen Geräthes: der Ausguss wird durch eine Silens-
maske oder durch eine komische Maske gebildet, darunter ein zweiter Kopf H. 21/i Z."
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