Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Rom angekauften Doppelbügel eines Eimers mit einem in der An-
lage völlig gleichem Schnabel. Derselbe weicht von dem dodonäi-
schen im Einzelnen ab, übertrifft ihn an Grösse, ist aber in der
Arbeit unvergleichlich geringer. Das Gesicht der Mänade ist. wie
breitgedrückt, die Stirne des Satyrs ist höher, seine Brauen mehr
hinaufgezogen, das Haar spärlicher, die Ohren klein und verküm-
mert; es fehlen ihm die flatternden Haarbüschel, welche sich dem
Bauche des Eimers so trefflich anschmiegen mussten 10). Denselben
Schnabel sehen wir ferner an einem kleinen, mit ursprünglich ver-
goldetem Zierrate geschmücktem Silbergefässe u), das in einem in
der Ebene nördlich von Kertsch gelegenen Grabe einer Frau im
Jahre 1838 gefunden wurde12). Auch hier sind die Masken einiger-
massen von den unseren verschieden. Der Kopf des Satyrs trägt
einen wulstförmigen Kranz, sein Haar ist geschmeidiger und weicher.
Die Masken scheinen wie abgeschnitten, so dass nicht allein die im
Winde wehenden Haarenden, sondern auch die Ohren dem Satyr
genommen sind. Wahrscheinlich wurde das Gefäss erst später mit
dem nach innen mit einem Sieb verkleideten Ausguss versehen,
denn ohne Zusammenhang mit dem übrigen Ornamente ist derselbe
schonungslos auf die im ringsumlaufenden Rebgewinde angebrachte
Figur eines Eroten, welche sich auf der entgegengesetzten Seite der
Vase wiederholt, geheftet worden. Trotz des kostbareren Metalles,
aus dem es gefertigt ist, muss deshalb auch dieses Stück dem dodo-
näischen nachstehen.

Der Verstorbenen, aus deren reich ausgestattetem Grabe das
nun in der kaiserlichen Ermitage zu St. Petersburg aufbewahrte
Gefäss stammt, ward als Fährgeld für den Charon ein Goldstater
des Lysimachos mitgegeben. Diese Münze gibt uns einen Finger-
zeig, um wenigstens annähernd die Erfindung unserer Bronze zeit-
lich zu bestimmen. Der Stater 13), auf dem Lysimachos den seit
306 angenommenen Königstitel führt, ist von schönem, seltenem
Gepräge: er zeigt im Abschnitte unter dem Bilde der Athena

10) Der hintere Beschlag zeigt den Kopf eines Silens mit kahlem Scheitel
und wohlgepflegtem Barte von gutmüthigem Ausdruck.

11) Antiquitis du Bosphore Cimmerien pl. XXXVII 5, vgl. den Text I
S. 251 f.

15) Vgl. Aschiks Fundbericht in den Ann. deW mt. XII (1840) S. 13 ff und
den Auszug daraus Antiqu. du Bosphore Cimm. I p. LXIII.

13) Antiqu. du Bosphöre Cimm. pl. LXXXV 10, wo im Exergue statt des
Stieres irrthümlicherweise ein Panther gezeichnet ist.
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