Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Nikephoros einen stossenden Stier und im Felde vor der Göttin das
Monogram "e, welches vielleicht die chalkidische Stadt Terone (oder
Torone) bezeichnet14). Ein andres Exemplar desselben Typus wurde
in dem nahen Grabe eines Kriegers, eine Münze Leukon des II.la)
(um 240 v. Chr.) in dem benachbarten Grabe einer Frau gefunden.
Alle drei Gräber sind demnach wohl um die Mitte des dritten Jahr-
hunderts und zwar in derselben Weise mit Platten aus Muschel-
kalkstein errichtet worden. In jedem Falle müsste man den Eimer-
henkel vor die Zerstörung Dodonas durch den ätolischen Bund (220)
setzen und somit ergeben sich eine Reihe äusserer Anzeichen, welche
die Erfindung des Ausgusses in die frühere Diadochenzeit verweist.
Stil und Charakter unserer Bronze würden hiemit in vollstem Ein-
klänge sein.

Wien im Oktober 1882.

ROBERT SCHNEIDER.

Vorläufiger Bericht über zwei österreichische
Expeditionen nach Kleinasien

(Tafel IV—VIII)

In den grossen, im Wetteifer der Nationen sich immer ener-
gischer erweiternden Kreis archäologischer Forschungen, welche
seit einem Jahrhundert eine wissenschaftliche Renaissance der grie-
chischen Kunst begründen, sind im Verlaufe des letzten Jahrzehnts
wiederholt österreichische Unternehmungen eingetreten. Mit glück-
licher Hand leitete Conze im Jahre 1873 eine Expedition nach
Samothrake ein, welche zwei Jahre später wieder aufgenommen
und zu Ende geführt worden ist. Seine im Verein mit Alois Hauser
und George Niemann begonnenen Untersuchungen, welche die Wiener
Sammlung antiker Sculpturen um eine Anzahl neuer Erwerbungen
und die Culturgeschichte der hellenistischen Zeit um ein eigen-
tümlich lichtvolles Bild bereicherten, gelangten zu einem literarischen
Abschluss, der zu anderweitigem Einsetzen und gesteigerten An-

1J) L. Müller, die Münzen des thracischen Königs Lysimachus S. 69.
lä) Koehne, Musee de feu le Prince Basile Kotchoubey II S. 86.
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