Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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strengungen anregen konnte. Im Sinne einer Fortsetzung haben sich
ihnen daher im verflossenen und im laufenden Jahre fernere öster-
reichische Unternehmungen angeschlossen. Eine 1881 mit Staats-
mitteln ausgeführte Forschungsreise im südwestlichen Kleinasien gab
Anlass und Vorbereitung für eine in grösserem Umfange veranstal-
tete diesjährige Expedition, deren Durchführung dem wissenschaft-
lichen Interesse und der patriotischen Opfervvilligkeit eines Privat-
vereines hochstehender Kunstgönner verdankt wird. Diese beiden
jüngsten Unternehmungen stehen in so unmittelbarem Zusammenhang,
dass eine Berichterstattung erst jetzt, nach dem kürzlichen Abschluss
der letzteren, und nicht anders als über beide gemeinsam erfolgen
kann. Ich halte mit derselben nicht länger zurück, obschon sie in
der Hauptsache nur eine vorläufige Summe erster Beobachtungen
zu bieten vermag, und darf dabei Erzählungen nicht ganz aus-
schliessen, welche vielleicht nur für die nächst betheiligten Kreise
von Interesse sein werden.

I

Nach Beendigung der zweiten Samothrakischen Publication im
Frühjahr 1880 erhielt ich Gelegenheit, dem um die Pflege archäo-
logischer Studien in Oesterreich hochverdienten früheren Minister
für Cultus und Unterricht, S. E. von Stremayr, einen Plan für die
Weiterführung der auf seinen persönlichen Antrieb zu Stande ge-
kommenen Orientforschungen vorzulegen.

Da der Archipel wie Griechenland selbst von Seiten des deut-
schen und französischen Institutes in Athen im Vereine mit ein-
heimischen Gelehrten allenthalben untersucht wird, war das Augen-
merk auf Kleinasien gerichtet, dessen wissenschaftliche Ausbeutung
nach einer Reihe glänzender Erfolge an den Hauptfundstätten der
Westküste dringlicher im Vordergrunde steht. Nachdem der Norden
der Halbinsel durch die Ausgrabungen Schliemann's in Troja, des
Berliner Museums durch Humann in Pergamon, einer amerikanischen
Gesellschaft in Assos, wie durch anderweitige französische und
englische Unternehmungen in Myrina und Sardes in jüngster Zeit
einen überwiegenden Einsatz erhalten hatte, Hess sich der seit lange
ausser Acht gebliebene Süden einer neuen Untersuchung bedürftig
bezeichnen. Es schien lohnend, das unbekannte Hochland von Karien
einmal zu durchstreifen und die durch eine Fülle eigenartiger Monu-
mente anziehende Alpenlandschaft Lykiens zu - bereisen, deren
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