Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 153
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Kenntniss vor mehr als vierzig Jahren durch Fellows, Spratt und
J. A. Schönborn erschlossen, aber seither nicht weiter verfolgt
worden war. Für eine nähere Prüfung empfahl sich insbesondere
die von Ludwig Ross aufgefundene Trümmerstätte des Hekatetempels
zu Lagina in Karien, über welche Ch. T. Newton später vielver-
sprechende Mittheilungen gegeben hatte, und ein von J. A. Schönborn
in Gjölbaschi *) auf dem Strandgebirge zwischen Aperlai und Myra
entdeckter aber wieder in Vergessenheit gerathener Grabbau mit
griechischen Relieffriesen, über dessen Existenz und Beschaffenheit
einmal eingehendere Kunde zu erhalten jedesfalls als eine wissen-
schaftliche Pflicht hingestellt werden konnte**).

Dieser Plan, bei dem auf die Begleitung eines Architekten und
Photographen gerechnet war, ward angenommen und fand, durch die
auch hier fördernde Hand Eitelbergers befürwortet, die schliessliche
Genehmigung von Seiten des gegenwärtigen Ministers für Cultus und
Unterricht, S. E. Conrad von Eybesfeld. Zur erforderlichen Vor-
bereitung wurde mir mit Niemann im Herbst 1880 ein Studium der
lykischen Denkmäler des britischen Museums in London ermöglicht.
Mit Niemann Hess sich Herr Hofphotograph Wilhelm Burger, dessen
Mitwirkung bereits der zweiten Samothrakischen Expedition zu
Statten gekommen war, zur Theilnahme bereit finden. Ausserdem
schloss sich uns, um naturwissenschaftliche Zwecke zu verfolgen,
in höchst willkommener Weise Dr. med. Felix von Luschan an.
Dem überaus glücklichen und in mancher unerwünschten Lage be-
währten persönlichen Zusammenstehen und der muthigen Ausdauer
dieser Arbeitsgenossen, wie der nachdrücklichen Unterstützung, die
wir von vielen Seiten fanden, dankt unsere Reise Ergebnisse, von
denen eine im Auftrage des Ministeriums in Vorbereitung begriffene
eigene Publication demnächst ausführliche Rechenschaft geben wird.

*) Schönborn und nach ihm Bitter und Kiepert schrieben „Gjölbaghtsche"
(d.i. Seegarten); übereinstimmend wurde uns jedoch von verschiedenen Schriftkun-
digen, namentlich den beiden Kaimakam von Kasch und Elmalü „Gjölbaschi" (See-
haupl oder -Ende) als der wahre Name angegeben.

**) Literarisch beachtet finde ich die Entdeckung Schönborn's lediglich in der
überaus gehaltreichen Abhandlung von Adolf Michaelis über das Nereidenmonument
von Xanthos annali deW Institutö 1874 S. 104 folg. Als „noch nicht näher untersucht"
bezeichnet Heinrich Kiepert in seinem Lehrbuche der alten Geographie, Berlin 1878
S. 125, 2 „die von Schönborn 1842 entdeckten Sculpturen von Kyaneae", womit er
ohne Zweifel das Heroon von Gjölbaschi verstand.
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