Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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derselben und an dem Gegenstande, den sie bieten, zu erfreuen und
sie zu bewundern. War es doch der trojanische Krieg, den ich vor
mir hatte, Homer's Schöpfung in bildlicher antiker Darstellung, und
ich gestehe, dass ich mich daran nicht satt sehen konnte. Wer hätte
auch lange zweifeln können, was ihm vor Augen stehe. Das Relief
in der Ecke der Westseite zeigt den Achilles sitzend bei dem hoch-
geschnäbelten Schiffe, voll Erbitterung den Kopf mit der Hand
unterstützend. Es folgt der Herold, der die Versammlung beruft,
und die Krieger kommen, Schlachtscenen reihen sich an, auf die
Stadt selbst wirft sich der Kampf, an dem Thore wird gestritten,
die Schaar der Greise sitzt über dem Thore und so zieht sich
Bild an Bild hin, ein reiches Leben mit griechischer Sicherheit in
den Gruppen, in den Bewegungen, in den Proportionen der einzel-
nen Gestalten entworfen. So sehr auch die Oberfläche des Steines
durch die Zeit mitgenommen ist, das Auge mag nicht von dem-
selben lassen. Tritt man nahe an die einzelnen Reliefs heran, so ist
die Zerstörung freilich zuweilen so weit vorgeschritten, dass man
kaum die Gestalt noch erkennt, und man ablassen muss, die Züge
der Gesichter im Einzelnen studiren zu wollen; denn das verwehrt
die schadhafte Oberfläche, aber das Ganze macht einen so erhe-
benden Eindruck, wie ich ihn auf meiner ganzen Reise nicht wieder
gehabt habe. Ich trage kein Bedenken es auszusprechen, dass diese
Reliefs in gehöriger Höhe aufgestellt jedem Museum zu einer wahren
Zierde gereichen würden, wie reich es auch sonst ausgestattet sein
mag, und ich bin auch eben so fest überzeugt, dass jeder, der
diese Monumente nach Europa führt, einen bedeutenden Gewinn
bei dem Verkaufe haben würde" *).

*) Aehulich spricht sich Schönboru im Museum of classical antiquities I S.
i'6 aus: „Front consideration of the subject they represent, from the certain connexion
of the bas-reliefs with this place , and from their beauly, {notwitlistanding they Jiave
greatly suffered from time, and are in very low reliefi) I should assign to them the
first place among the scidptured remains of Lycia; and, therefore, earnestly desire
(hat they may he sufficiently known before they stand the chance of being destroyed
or lost. The latter evil has already commenced. Between my first and second Visits,
two travellers, on their way from Egypt, passed this ioay, accompanied by an Egyp-
tian Türk. The latter, ivhom I met on his return, told nie that they had removed on
camels the two comer stones of the exterior scidptures — which I had missed after
my first visit — and had taken them to Smyrna. [Dies ist aus verschiedenen Gründen
unmöglich.] .. .In another year 1 shallprobably be in a position to give you additional
and more precise information. I hope to be able to revisit this countryu etc. Eine
Erfüllung dieses Wunsches blieb Schönborn versagt.
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