Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 166
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Als zum Pronaos gehörig erkannten wir sowohl nach ihrer Lage
als nach ihren Maassen zwei Epistylstücke mit Inschriften, die bereits
Newton veröffentlicht hatte, und fanden dazu den noch fehlenden
dritten Block, der die Inschrift ergänzte und abschloss*).

Die Inschrift hat keinen .directen Bezug zu dem Gebäude, son-
dern bildete einen Bestandteil periodisch fortgeführter Priester-
listen des Heiligthums, welche auf den Aussenwänden und Anten
der Cella angebracht waren und wie in diesem Falle hin und wieder
wohl auch sonst auf andere Theile des Baues übergriffen. Ohne
alles was im Trümmerhaufen noch zu sehen war erschöpfen zu
können, habe ich im Glänzen von mehr als fünfzig Quadern und
Quaderfragmenten Listen dieser Art copirt**), wozu auch einzelne
weitere Stücke, unter Anderem einige leider nicht unmittelbar zu-
sammenhängende Theile einer auf Sulla***) und den mithridatischen
Krieg bezüglichen grossen Urkunde gekommen sind.

Mit besonderem Interesse spürten wir den Friesreliefs des Baues
nach. Ihrer Höhe wegen (0,924 Meter) und weil die Balkendecke
keinen Cellafries erlaubt, wie Niemann hervorhebt, gehören sie dem
Aeussern des Tempels an und sind nach ihrer Lage und Fallrich-
tung in der Trümmerstätte zu urtheilen rings umlaufend gewesen.
Ich zählte fünfzehn noch vorhandene Blöcke, wovon neun schon
von Newton theils abgebildet theils beschrieben worden sind. Einige
davon steckten so tief in den Trümmern, dass nur Theile erkennbar
blieben; sie waren augenscheinlich weit besser erhalten als die oben,
aufliegenden. Das Relief ist sehr stark herausgearbeitet, in gedräng-
ter Fülle von Figuren greift die Composition ohne Berücksichtigung
der Fugen von einem Block auf den andern über. Da ein unmittel-
bares Aneinanderpassen vorerst nicht zu constatiren war, so Hess
sich über die zerrissenen Darstellungen, welche durchgängig mytho-
logisch zu sein scheinen, kein sicheres Urtheil gewinnen und ohne
Skizzen, die hier nicht möglich sind, würde eine ausführliche Be-
schreibung geringen Nutzen bieten. Von den neu gesehenen Reliefs

*) Block a und c sind Eckstücke, der letztere ist in zwei Stücke zerborsten:
c1 und ci. Die in [] gesetzten Buchstaben von cl fehlen jetzt und sind aus Newtons
Copie (history of discoveries at Ealicarnassus II S. 799 n. 101) wiederholt.

**) Drei derselben copirten kurz vorher und veröffentlichten inzwischen Hau-
vette-Besnault und Dubois bulletin de correspondance hellenique V Mars 1881 S. 185 f.

***) Zu dem von Newton a. a. O. S. 795 n. 99 publicirten Stücke sind zwei
weitere grössere gekommen, in denen der volle griechische Namen des Sulla und der-
jenige des Königs Mithradates steht.
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