Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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hebe ich eine Scene der Gigantomachie, zwei einander abgewandt
stehende Jünglingsfiguren welche die Motive der Gruppe von Ilde-
fonso wiederholen, und eine besonders schöne weibliche Figur hervor
welche verschleiert dasteht, die rechte Hand erhebt und einen Eros
an der Brust hält. Stil und Ausführung ist griechisch, zuweilen
römischem Geschmack sich nähernd, sicherlich aus hellenistischer Zeit.

Von der Tempelstätte ist Mancherlei in das heutige Dorf und
in die Nachbarschaft verschleppt worden. Bausen, die wir von der
Newtonschen Publication in der Hand hatten, zeigten dass die Re-
liefs in den letzten dreissig Jahren weiteren Verderb und wie es
scheint absichtliche Verstümmelungen erlitten haben. Auch aus
andern Beobachtungen gewannen wir die Ueberzeugung, dass es hohe
Zeit sei die hier erhaltenen leicht zugänglichen Schätze in gründ-
licher Untersuchung zu heben.

II

Die Hoffnungen, mit denen wir nach beinahe viermonatlicher
Abwesenheit zurückkehrten, sollten sich rasch erfüllen. Die Zeich-
nungen Niemanns und Burgers stattliche Sammlung wohl gelun-
gener Photographien, welche von den bisher nur durch mehr oder
weniger incorrecte flüchtige Aufnahmen bekannten Denkmälern und
Denkmälergruppen Lykiens zum ersten Male einen treuen Begriff
gaben, weckten Interesse, und eine Vereinigung von Sachkundigen,
denen Eitelberger auf meine Veranlassung die Photographien des
Heroon vorlegte, pflichtete nachdrücklich unserer Ueberzeugung bei,
dass man eine Erwerbung der Originale zu erstreben habe. Es
schien möglich, mit den in Gjölbaschi angezeigten Arbeiten auch
Ausgrabungen in Lagina zu verbinden und jedesfalls geboten, die
begonnenen Forschungen auf die weiteren Theile von Lykien und
Karien auszudehnen. Ein in dieser Weise formulirtes und näher
begründetes Programm fand Anklang und entscheidendes Entgegen-
kommen in einem Kreise von Männern, denen alle mit dem Kunstleben
Wiens Vertrauten dankbare Verehrung zollen. Augenblicklich drin-
gendere Verbindlichkeiten einer anderweitigen grösseren Kunstange-
legenheit hielten S. E. Grafen Edmund Zichy und Herrn Nicolaus
Dumba nicht ab, sofort für den neuen Plan einzutreten, und ihrer
freundschaftlich vereinten energischen Initiative, die an Baron von
Warsbergs Begeisterung für Kunst und Alterthum stetige Mithilfe
fand, gelang es ihm in kurzer Frist die Verwirklichung zu sichern.
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