Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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und L. Turina an. Zwei Köche, drei Pferdeknechte, darunter unser
treuer Ali, der schon im vorigen Jahre als eine Art lebendiger
Landkarte gute Dienste geleistet hatte, ein Zaptieh und der tür-
kische Commissär Suleimann Effendi von Magnesia vervollständigten
unsere bunte Colonie, die meist über dreissig Köpfe zählte und
allein für den Haushalt hinreichend zu sorgen gab.

Schon zu Anfang des Monates waren die Herren Petersen,
Luschan und Knaffl vorausgereist. Während der Letztere von
Rhodus aus mit den Arbeitern in einem Kaik unmittelbar in die
Kekowabai fuhr, schlugen die ersteren über Makri den Landweg
ein, um in Lewissi ein Dutzend Pferde anzukaufen. Acht Tage
später folgten die übrigen Expeditionsmitglieder von Smyrna aus
auf dem „Taurus" nach, und nachdem dieser an einer näher ge-
legenen Stelle der Küste, in der Jalibai östlich von Kekowa, eine
gegen Wind und Meer gesicherte Station genommen hatte, waren
wir Ende April an unserem nächsten Bestimmungsorte, auf der
Höhe von Gjölbaschi, alle vereint. Hier hatte Herr von Knaffl den
Lagerplatz auf einem von Tempeltrümmern und Sarkophagen um-
standenen kleinen Felde am südwestlichen Fusse der Akropolis in
der Sattelhöhe des Berges, kaum zehn Minuten weit vom Heroon
entfernt gewählt und bereits trefflich einzurichten begonnen. Ein
grösserer, einigermassen absperrbarer Bretterverschlag diente als
Magazin und erhielt später ein Nebengemach für die Apotheke, die
sich häufenden naturwissenschaftlichen Objecte und den photogra-
phischen Apparat Herrn von Luschans. Eine kleinere Holzhütte,
in die ich mich mit Petersen und Niemann theilte, das Konak wie
es die Arbeiter nannten, wurde als gemeinsamer Arbeitsraum be-
nutzt, enthielt die Casse und den Pulvervorrath, bis sich für den
letzteren in einem der colossalen Steinsarkophage ein schicklicherer
Aufbewahrungsort herrichten liess. Ein eigenes Steinhaus mit flie-
gendem Dache beherbergte die Arbeiter und wurde mit luftigen
Anbauten für die Küche, die Feldschmiede und die arbeitenden
Zimmerleute versehen. Vier in einer Reihe zwischen diesen Bauten
aufgeschlagene kleine Zelte flankirten den freien Platz, auf dem einige
Bänke und eine lange Tafel in dem kargen Schatten eines isolirten
Baumes für die Mahlzeiten nicht fehlten. Bis auf den türkischen
Commissär, der im Besitze eines Aequivalentes für das geforderte
Zelt die gewohntere gastfreie Unterkunft in der erstbesten Bauern-
hütte vorzog, wohnten wir also alle übersehbar an einem Platze zu-
sammen. Bezeichnet war die Niederlassung durch eine zwischen
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