Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 172
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1882/0176
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
172

Empfindlich fühlbar machte sich alsbald der Mangel einer Ort-
schaft in der Nähe, welche für die laufenden Bedürfnisse hätte An-
halt und Aushilfe bieten können. Lediglich mit Milch und Eiern
wurden wir regelmässig, hin und wieder auch mit kleinem Hornvieh,
und so lange der Frühling währte mit Grünzeug für die Pferde
aus den Hürden des Dörfchens Tschukur, das eine halbe Stunde
entfernt in einem Hochthale am Nordfusse der Akropolis liegt,
versorgt. Alles Andere musste auf Pferden Eseln und Kamelen, die
nicht immer leicht erhältlich waren, meist weither zusammenge-
trieben und theuer gezahlt werden mussten, theilweise aus grosser
Ferne zur Stelle gelangen. Leidlich geniessbares Brot erhielten wir
anfangs vier Stunden weit herauf aus Dembre, bis sich etwas
näher in der Tiefe der Jalibai ein rühriger griechischer Speculant
aus Castellorizo mit einem Backofen in dem Gemäuer einer mit-
telalterlichen Ruine einrichtete und Brot für uns wie für das Schiff
lieferte, unter der Hand mit Mastika wie natürlich und aus Samos
gepaschtem Tabak einträgliche Nebengeschäfte betreibend. Umständ-
licher war die Beschaffung von Wasser. Quellen fehlen dem ganzen
ausgedehnten Dembreplateau. Man ist auf den trüben Inhalt von
Cisternen angewiesen, welche nach uralter Weise cylinder- oder
flaschenförmig in den gewachsenen Fels ein gehauen oder in dem
Humus der kleinen Karstebenen ausgebaut, zahlreich im ganzen
Lande anzutreffen und meist von geräumiger Anlage sind. Trotz-
dem reichen sie für das vorhandene Bedürfniss offenbar nothdürftig
hin, versiechen leicht und bilden daher in der Noth der Sommer-
monate ein ständiges Streitobject, wie auch wir rasch genug er-
fahren sollten. Als unser Bedarf den Nachbardörfern unbequem wurde
und wir genöthigt waren in weitem Umkreise nach neuem Vorrath
zu suchen, wurden unserer Dienerschaft Brunnen verheimlicht oder
durch allerhand Fabeln von bösem Zauber, von innen verwesenden
Leichen u. A. in Verruf gebracht oder trotz der Verbote des Koran
nur gegen Geldentschädigungen zur Benutzung überlassen; den
Matrosen des Kriegsschiffs, welche anfänglich eine grosse Cisterne
in Kekowa ;benutzten, begegnete es nach kurzer Zeit sogar dass
man ihnen den Zutritt mit bewaffneter Hand verwehrte. Später
wurde dem „Taurus" die erforderliche Ration acht Stunden weit
aus Phinika, wo der herrlich rauschende Arycandus seine kalten
Gebirgsfluthen einmündet, in einem Segelboote regelmässig zu-
geführt, während wir auf der Höhe uns mit Cisternenwasser, das
Kameele in Weinfässern zwei Stunden weit aus der grössten
loading ...