Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 173
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Ebene des Plateaus, von Jau (Kyaneai) zutrugen, begnügen und
dabei für die unerlässlichsten Bedürfnisse auf schmale Rationen
setzen mussten. Da es vom Lagerplatz aus an den jeweiligen Ort
der Arbeiten bis eine Stunde weit und darüber nachgeführt werden
inusste, und die aus Rhodus bezogenen Thonamphoren unaufhörlich
zerbrachen, wie überhaupt Noth an Trinkgefässen war, so haben
unsere Arbeiter, die das Wasser am liebsten mit Essig gemischt
tranken, in der sengenden Glut des Juli und August hart unter
diesen Uebelständen gelitten, härter als wir, denen Dank einer
rechtzeitigen Erinnerung von Luschans doch hin und wieder eine
Flasche mitgebrachten Mineralwassers, mit dem haushälterisch wie
mit Champagner verfahren wurde, zu Gute kam. Wein und son-
stige Lebensmittel nebst dem anderen gewöhnlichen Bedarf bezogen
wir aus Rhodus, von wo wöchentlich einmal ein für die Dauer der
Expedition gemiethetes Boot mit der Post herüberfuhr, welches bei
den in dieser Jahreszeit vorherrschenden Westwinden herwärts in
der Regel zwei Tage, hinwärts vier Tage, nicht selten aber auch
noch längere Zeit brauchte. Nach der rothen Fahne, die es führte,
haben wir von der Höhe oft erwartungsvoll in das weite Meer
ausgeschaut; oder des Abends nach dem Feuersignal, das der
Commandant auf einem Riffe der Jalibai anzünden Hess, um sein
Eintreffen zu melden; kein Sonnenbrand, keine Finsterniss der Nacht
hielt dann ab die allmählich gewohnten Wege hinabzueilen, die
Posttage forderten Eile und belebten den ohnehin regen Verkehr
mit dem Kriegsschiffe.

Die Colonie, die in das karge Bauernleben der einsamen Gegend
reichlichen Verdienst, aber auch beständige Unruhe und eine unge-
wohnte Aufrüttelung aller Verhältnisse brachte, stand und erhielt
sich doch mit der Bevölkerung auf gutem Fusse, obwohl diese ihr
das Dasein auch in anderen Hinsichten nicht eben leicht machte.
In ihren kümmerlich ausgestatteten winzigen Steinhäuschen, die
mit einer horizontalen Lage von Rundhölzern und darüber gebet-
teter Erdschicht bedeckt sind, und in ihren noch kleineren oval
zusammengeflochtenen, mit Filzdecken belegten Zweighütten lebt
sie, an Frost und Hitze gewöhnt, den Hunger verrauchend, völlig
bedürfnisslos von dem mässigen Ertrage gelegentlicher Feldarbeit.
Den ganzen Barbesitz an grösseren Silberstücken, den die Weiber
am Kopf, die Männer wohlverwahrt in dem mit alten Waffen be-
schwerten Ledergürtel führen, selbst des Nachts sammt den Kleidern
am Leibe tragend, fast ohne alles Kleingeld, kennt sie im Grunde
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