Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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nur Tauschverkehr, und ist mit Preisverhältnissen wie mit Lohn-
arbeit völlig unbekannt. Erst bei näherem Vertrautwerden kamen
wir daher den naivsten Anforderungen gegenüber zu einem gegen-
seitigen Einverständnisse das durch das Medium von Dolmetschen
nicht immer erleichtert wurde, und nicht immer volle Zufriedenheit
zurückliess. So ehrlich, friedfertig und gutherzig im Ganzen wir
auch hier die türkische Landbevölkerung fanden, so fehlte es doch
im Laufe der Zeit nicht an Ausnahmserfahrungen; Veruntreuungen,
selbst einige Einbruchsdiebstähle kamen im Lager vor, und als
späterhin die ägyptischen Unruhen den wohl immer latenten reli-
giösen Fanatismus weckten, bildeten sich wenn auch nicht in un-
serer unmittelbarsten Nähe, Räuberbanden, von denen im vergan-
genen Jahre Nichts zu hören gewesen war. Aus den nächstgele-
genen Dörfern fanden sich brauchbare Leute zu unserer Arbeit, die
ihnen schwer fiel, nur in geringer Zahl und unregelmässig ein. Im
Monat Juni, als alle Insassen mit Ausnahme einiger zurückblei-
bender Wächter für die Ernte, nach alter Gewohnheit karawanen-
weise in ihren hohen Alpenvillegiaturort Gjömbe sich begaben, blieb
dieser Zuzug fast ganz aus. Wir mussten Arbeiter weither aus
Adalia werben, machten vorübergehend auch einmal einen Versuch
mit jüdischen Hamals aus Rhodus, die indessen buchstäblich nur
für das Tragen eingeübt, mit Spaten und Schaufel wie Kinder
umgingen und sich überdies mit allen andern schlecht vertrugen.
Zahlreicher und freiwillig stellten sich die rührigen und intelligenten,
aber wie die Kreter mit vollem Recht berüchtigten Griechen von
Castellorizo ein. Hätten wir nicht die geschulten tapfer aushaltenden
Geniesoldaten und Triestiner Arbeiter die sich allerdings bester
Pflege und weitgehender Rücksichtnahmen erfreuten, und auf zehn Tage
einmal auch Aushilfe von sechs Matrosen erhielten, als Grundstock
zur Stelle gehabt und durch die unerwarteten Schicksale von Ales-
sandria einen nach und nach sich steigernden Zulauf von Erwerbs-
bedürftigen erhalten, so wäre bei den often langen Gebetspausen
der Türken und den vielen Feiertagen der Griechen, bei ihren ver-
einten Lohnsteigerungen und um die Wette abwechselnden Strikes
kein sicheres Fortschreiten und kein rechtzeitiges Ende möglich
gewesen. Wir begannen mit fünfzig bis sechzig Arbeitern und
hörten in den letzten Wochen mit einer dreifach so grossen Anzahl
auf, welche schliesslich sämmtlich einen Tagelohn von drei Beschliks
(etwa anderthalb Gulden) empfingen also mehr als doppelt so viel
als Humann in Smyrna und Pergamon zu zahlen pflegte. Wie die
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