Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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wunderbare Völkermischung des Orients auch in den engsten
Verkehrsformen unvermeidlich zum Ausdruck kommt, so bildeten
Griechen Türken Juruken Juden Araber und Mohren mit unseren
auch physisch überlegenen Occidentalen die Truppe, um deren
Disciplin sich Unteroffizier Schuster ständige Verdienste erwarb,
und in der dennoch allerhand Reibungen nicht ausblieben, welche
fortwährend untersucht und beglichen sein wollten.

Wir begannen mit Ausgrabungen auf der Stelle — schon bei
der Installation des Lagers waren Inschriften zum Vorschein ge-
kommen — und sie wurden mit einigen Pausen angelegentlich fort-
gesetzt. Allein die Hauptarbeit die zu leisten war, bestand in der
Anlage einer Strasse für die Beförderung unserer Funde an das
Meer, und in dieser Beförderung selbst, wofür Lastthiere oder Last-
träger schlechterdings unverwendbar waren. Gjölbaschi liegt in di-
recter Luftlinie von der räumlich nächsten Küstenstrecke, der an
die Jalibai östlich anschliessenden Andrakibucht, deren Strandhöhen
uns oft greifbar nahe erschienen sind, ungefähr anderthalb Stunden
weit entfernt. Wie Aufrisse einer spröden Masse öffnen sich nach
dieser Richtung im Dembreplateau südlich von Gjölbaschi beginnend
zwei convergirende Schluchten, in deren einer man am ehesten glauben
durfte meerwärts einen Weg bauen zu können. Sie stürzen indessen,
wie der Versuch einer Begehung alsbald lehrte, in so schroffen engen
und vegetationslosen Spalten ab, dass keinem Pfade Raum bleibt und
eine Strasse ganz aus dem Felsgestein heraus und nur mit über-
starkem Gefälle zu gewinnen gewesen wäre. Nach Südosten gegen
Myra zu senkt sich wohl das Plateau allmählicher, jedoch so man-
nigfach und stark bewegt, dass sich vielfache Steigungen ergeben
haben würden, welche unbedingt zu vermeiden waren. Mit sicherem
Blick hatte daher Herr von Knaffl nach einer ersten Orientirung
im Relief der Umgegend einen auf 23 Kilometer berechneten Umweg
als die einzig brauchbare Möglichkeit erkannt. Dem entsprechend
wurde die Strasse vom Heroon abwärts den Südabhang der Akro-
polis entlang auf unsern Lagerplatz, und von da landeinwärts gegen
Nordwesten zunächst und dann gegen Nordosten um die Akro-
polis im Halbkreise in das ihrem tiefreichenden nördlichen Fusse
angeschmiegte kleine Hochthal von Tschukur hinabgeführt, welches
nach Osten offen ist und hier in die schauerliche Kluft des Dembre-
tschaithales in steilem aber fast allenthalben bewachsenem Abhänge
abfällt. Dabei kürzte das zufälliger Weise unbebaute und ohne
Weiteres benutzbare Hauptfeld von Tschukur den Wegbau ab,
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