Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 182
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Innerhalb der Umfassungsmauer und zum Theil noch über
sie hinaus den Westabhang hinab liegen dicht zusammengedrängt
und einförmig die Steinhaufen und Mauerreste der Stadt, deren
Untersuchung die Wirrnisse des Terrains überaus erschweren. Von
den Bauanlagen der Akropolis ist ausser einigen grossen Cisternen
bestimmt erkennbar im Grundrisse allein eine aus Bruchsteinen mit
grobem Kalk aufgeführte sehr späte kleine Kirche, deren Absis im
Nordosten liegt; in ihrer Nähe führt ein theilweise noch aufrechtes
Thor der Burgmauer, die hier zu einer Bastion sich verstärkt, nach
Süden herab unter zahlreiche Trümmer mässig grosser Steinhäuser,
die auf eigenen Terrassen sich erhoben und wo Platz dazu sich
ergab eigene Cisternen besassen.

An diese Wohnungen reihen sich dann, zum Theil zwischen
ihnen stehend, die Grabmonumente. Es sind zunächst weit über
dreissig colossale Kalksteinsarkophage mit spitzbogigem Dach, auf
zwei- oder mehrstufiger Basis, die ein Hyposorion enthielt, zuweilen
noch aufrecht stehend, aber in der gewohnten Weise durchaus
erbrochen, das Dach meist verschoben, zuweilen halb zerschlagen,
so dass die mächtigen Trümmer verstreut umher liegen. Zwei der-
selben sind mit Sculpturen verziert. Der eine auf dem Ostkamme
der Akropolis, neben dem Heroon, wo eine Gruppe besonders grosser
jetzt in Fragmenten liegender Sarkophage eine sichtlich vornehmere
Nekropolis für sich bildeten, trägt auf den vier Seiten des Daches
Reliefs im Stile des vierten Jahrhunderts und auf der einen Lang-
seite des Kastens in äusserst verwitterten Zügen die Inschrift*):

aepeimioskai
aixxyaoytomnama

Der andere am südlichen Fusse der Akropolis in der Sattel-
höhe bei unserem Lager, zeigt am Sarge Palmetten und Fruchtge-
winde, am Deckel sehr zerstörte, wie es scheint mythologische Dar-
stellungen. Bemerkenswerth ist ausserdem ein Sarkophag bei einem

*) Nach der Copie Petersens, dem die Untersuchung der Stadttrümmer über-
haupt das Meiste verdankt. Unter anderem ist das schwer zugängliche grosse
Felsenrelief, die Fragmente des Grabthurmes und die Grabstele des Hundes von
ihm zuerst bemerkt worden. Bei einem zweiten kurzen Besuche von Gjölbaschi,
den ich im vergangenen Jahre von Kasch aus vornahm, hatte ich in einer Nach-
mittagsstunde, als die Schriftseite des Sarkophags im Schatten lag, gelesen:

aepeimiozkai

ai /xyaoyt,qnpan///y
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