Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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kleinen Teiche, der den heutigen Ortsnamen veranlasst zu haben
scheint, eine Viertelstunde westlich von den Stadttrümmern in der
Tiefe gegen Gewren zu. Er trägt eine lange schwer lesbare In-
schrift, deren Entzifferung Studniczka gelang; sie schreibt eine Straf-
zahlung an die Gerusia von Kyaneai vor.

Von anderweitigen Grabmonumenten ist hervorzuheben eine
auf horizontaler Standplatte eingezapfte grosse Stele mit dem Relief
eines sitzenden Hundes, auffällig hauptsächlich durch die Wahl des
Standortes hart am Rande des Abhanges nordwestlich der Akropolis,
wo die Bildseite der Stele dem weit sich öffnenden Thale vonTschukur,
in dem noch heute die meisten Herden weiden, unverkennbar ab-
sichtlich zugekehrt ist. Sodann ein kleines lykisches Felsengrab am
Westende der Burg, und wenige Minuten weit davon entfernt ein
hochalterthümlicher massiver Grabpfeiler, der in Fragmente zer-
borsten unter Schutt und Vegetation vergraben lag. In seiner An-
lage und Ausstattung durchaus dem Harpyienmonumente von Xan-
thos entsprechend, erhob er sich auf einem durch den Umsturz
jetzt eingedrückten Sockel in nahezu quadratischer Grundform
(1'37 X 1*4 Meter) über vier Meter hoch und enthielt oben eine
0'85 X 0'9 Meter im Grundriss grosse Grabkammer, die durch eine
viereckige Oeffnung zugänglich und auf ihren Aussen Seiten mit einem
umlaufenden Reliefbande geschmückt war. Mit dem oberen Ab-
schluss des Monumentes fehlt leider auch der obere Theil der Bas-
reliefs. Soweit sie erhalten sind, stellen sie eine langsam nach links
vorschreitende Procession theils schildtragender theils nackter Fuss-
gänger und Reiter dar. Ihrem Stil nach, der an die melischen Vasen
erinnert und seine nächste Analogie an den Reliefs des vLion tomba
aus Xanthos im britischen Museum findet, zählen sie jedesfalls zu
den ältesten Kunstdenkmälern Lykiens.

Neben den sepulcralen Monumenten treten die sacralen wie
beinahe auf allen lykischen Plätzen auch hier zurück. Ein kleiner
Tempel, anscheinend der einzige des ganzen Stadtgebietes, wurde
westlich dicht bei unserem Lager ausgegraben; er ist spät dorisch,
trug auf einer Quaderwand eine lange Inschrift, von der einige an-
sehnliche Bestandtheile nebst zahlreichen kleineren Brocken zum
Vorschein gekommen sind, und war von grossen viereckigen Basen
umgeben, auf denen noch die Fussspuren von Bronzestatuen zu
sehen sind. Sein Fundament ist so zerstört und das für die Recon-
struction seines Aufbaues erhaltene Material so unvollständig und
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