Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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an vier Meter hohe Futtermauern zum Niveau des Hofbodens her-
auf, während die Westmauer des Peribolos selbst, der Terrainfor-
mation entsprechend, die nach Südwest aufsteigenden Fels- und
Schuttmassen des Akropolis unmittelbar verkleidet. "

„Im Innern des Hofes haben die Umfassungsmauern theils
vier, theils fünf Quaderschichten, da die Höhe der einzelnen Werk-
steine zwischen 035 bis 0'65 Meter schwankt und ihre Lagerflächen
nur annähernd horizontal sind, wie auch ihre Stossflächen fast nie
die Verticale einhalten. Die Construction der Wände ist höchst
einfach ; dieselben sind zwei Quadern stark und ohne alle Binder
geschichtet, so dass zwei völlig selbständige, auch in den Lager-
fugen nicht correspondirende Parallelmauern getrennt beisammen
stehen und die unbehauenen Innenseiten ihrer Steine einander zu-
kehren, deren geringer Zwischenraum mit einigem Füllwerk aus-
geschüttet ist. Eine Verbindung dieser Doppelwände stellen Deck-
platten von 034 Meter Dicke her, welche nach aussen etwas vor-
springend und hier mit einem flachen Eierstabe versehen, dessen
Relief und Zeichnung den gleichen Ornamenten des Nereidenmo-
numentes von Xanthos ähnelt, nach innen mit der Wandfläche bündig
den obern Abschluss bilden. Bemerkenswerth ist, dass zu der Con-
struction weder Dübel noch Klammern verwendet wurden, ein
Umstand, dem wohl hauptsächlich der Bau seine Erhaltung verdankt,
da für Blei und Eisen Suchende in demselben Nichts zu holen war.
Gewaltsame Aussprengungen, welche einige Steine der Süd- und
Nordmauer an den Ecken und Fugen zeigen, lassen darauf schliessen,
dass man auch hier einmal in solcher Absicht vorging, aber alsbald
enttäuscht davon Abstand nahm."

„In der Mitte der Südwand findet sich eine Pforte, deren
Schwelle nach innen in gleicher Höhe mit dem Niveau des Hofes,
nach aussen gegen zwei Meter über dem Felsboden des Abhanges
liegt, so dass sie nur auf angelegter Leiter oder durch Emporklet-
tern erreicht werden konnte. Die Pforte ist, 1*23 Meter breit und
2" 14 Meter hoch im Lichten, aus vier grossen monolithen Blöcken,
welche die volle Dicke der Umfassungsmauer einnehmen, dem Schwel-
lensteine , zwei etwas geneigt stehenden Pfosten und einem colos-
salen Sturze aufgebaut. Der letztere hat bei einer der Mauerdicke
entsprechenden Breite von 1 Meter eine Höhe von ü"91 und eine
Länge von 3 Metern. Ueber die Thürpfosten hinaus liegt er mit
den anstossenden Mauertheilen derartig in Verband, dass seine obere
Fläche eine horizontale Ebene mit derjenigen der Mauerdeckplatten
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