Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 187
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1882/0191
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
187

bildet. Lieber ihm muss sich irgend ein bekrönender Aufsatz be-
funden haben, worauf drei nicht regelmässig angeordnete, etwa 015
lange, 0*08 Meter tiefe Löcher auf seiner oberen Fläche hinweisen.
Zwei runde Zapfenlöcher auf seiner untern Fläche, denen zwei
gleiche auf der Schwelle unten in den Winkeln der Thürpfosten
entsprechen; beweisen, dass die Portalöffnung durch eine zweiflü-
gelige Thür geschlossen war."

„Als wir das Monument zuerst kennen lernten, fanden wir allein
die Westseite intact. Der Südmauer (Tafel IV) fehlten Steine in den
Ecken und theilweise die Deckplatten, andere Quadern namentlich
in den oberen Lagen waren soweit verschoben, dass ein gelegent-
licher Einsturz befürchtet werden konnte. Ein grosses Erdbeben,
dessen Hauptrichtung in der Verschiebung dieser Steine noch er-
kennbar sein soll, vielleicht auch anderweitige Schicksale hatten in
der Mitte der Nordwand eine Lücke durchgerissen und die Ostwand
fast ganz bis auf den Fussboden zerstört. Alle aufrecht stehenden
Theile der Umfassungsmauer zeigten sich innen auf den beiden
obersten Quaderschichten mit fortlaufenden Reliefs verziert, und
zahlreiche Reliefblöcke, die wir theils im Hofe auf der Oberfläche
liegend oder halb verschüttet sahen, theils späterhin bei einer sorg-
fältigen Untersuchung der Felsabhänge mitunter in weitem Abstände
wieder auffanden, und von denen zu hoffen ist, dass sie sieh wieder
zusammenfügen lassen werden, setzen ausser Zweifel, dass jene
beiden Friesstreifen sich ebenso auf der Ostmauer fortsetzten. Als
Eingangs wand war die Südmauer auch auf ihrer Aussen seite in
gleicher Weise geschmückt. Auch die Thürpfosten tragen Reliefs
auf ihrer nach innen gewandten Seite, der Thürsturz auf beiden
Seiten."

„Der Boden des Hofes ist durch Abarbeiten des zerklüfteten
Gesteines und durch Ausfüllung der Lücken und Tiefen mit Bau-
abfällen und massenhaften Splittern hergestellt. Nicht in der Mitte
des Raumes, sondern in der westöstlichen Diagonale gegen die Nord-
westecke gerückt, wo zufällig ein grosser Felsblock anstand, war
ein colossaler Sarkophag aus dem gewachsenen Stein herausgear-
beitet. Von demselben sind noch zwei Stufen und die unteren Par-
tien des Hauptkörpers erhalten, ausserdem verschiedene zum Theil
mit Reliefs versehene Fragmente, welche die ursprüngliche Gestalt
erschliessen lassen. Dieser Sarkophag zeigte die in Lykien überall
angewandte Balkenarchitektur, jedoch in weit vorspringender Be-
dachung das griechische Marmorziegeldach nachahmend. Zwei
loading ...