Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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sind, zeigen mit dem Gestein, welches die Berge zunächst Gjöl-
baschi zusammensetzt, eine völlige petrographischeUebereinstimmung
was vielleicht schon deshalb nicht unerwähnt gelassen werden darf,
weil an anderen Orten der karamanischen Küste unter den Trümmern
der Bauten des Alterthums sich stellenweise (z. B. in Form von
Säulenfragmenten) Gesteine finden, welche wie gewisse Granite oder
Syenite sicherlich von weither nach den einstigen Städten dieser
Gegend gebracht worden sind um daselbst zu baulichen Zwecken
verwendet zu werden."

„Auch die so überaus zahlreichen alten Sarkophage der Gegend
von Gjölbaschi, Kekowa und Jau, bestehen, nebenbei bemerkt,
ähnlich wie das Heroon von Gjölbaschi aus dem in ihrer unmittel-
baren Nachbarschaft vorkommenden Kalkstein."

„Spuren von ausgedehnten Steinbrüchen, aus welchen das
Material für alle diese Arbeiten beschafft worden sein könnte, wurden
allerdings nicht aufgefunden, es mag also wahrscheinlich sein, dass
man unter den die benachbarten Gebirgsabhänge bedeckenden
Blöcken oder einzelnen dort hervortretenden Felsen jeweilig eine
Auswahl traf, und wenn sich diese Auswahl bei der Errichtung
der oft so colossalen Sarkophage dieser Gegend vornehmlich nach
der Grösse der betreffenden Blöcke richten musste, kann wohl für
die zur Ausführung von bildhauerischen Darstellungen in Aussicht
genommenen Steine auch eine gewisse Auswahl gemäss der Qua-
lität, bezüglich der möglichst homogenen Beschaffenheit derselben
versucht worden sein. Es befinden sich beispielsweise in der Nähe
der Stelle, wo das Heroon stand, auf der Nordostseite derselben ein-
zelne Felsen, welche eine relativ ettvas homogenere Beschaffenheit
als die meisten sonst in der Umgebung zerstreuten Gesteinsblöcke
besitzen: das heisst welche einen etwas geringeren Grad der stel-
lenweisen Durchlöcherung durch kleine Hohlräume aufweisen als
dies bei vielen ihrer Nachbarn der Fall ist. Ganz frei von solchen
Löchern habe ich allerdings bei Gjölbaschi keine irgendwie grössere
Gesteinspartie gefunden, und so sind denn auch die zu den Reliefs
verwendeten Blöcke damit zum Theil behaftet."

„Für den Erhaltungszustand der betreffenden Darstellungen
haben jene kleinen Hohlräume einen entschiedenen Nachtheil im
Gefolge gehabt, der nicht allein in der durch sie bedingten grös-
seren Disposition zur Verwitterung an sich, sondern vornehmlich
in der durch sie hervorgerufenen Ungleichmässigkeit der Verwit-
terung gefunden werden darf."
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