Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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rechten Schenkel gestützt und die Hand wie sinnend gegen
den leise geneigten Kopf erhoben, unklar ob männlich oder
weiblich, vielleicht eine Localgottheit, wie R. Schneider be-
merkte, oder Zeus selbst, woran Petersen dachte.

g) ein mit erhobenem Schild nach links ausschreitender Krieger,
der den behelmten Kopf nach rechts wendet, augenscheinlich
nicht in Kampfstellung, eher in gemüthlicher Beziehung zu
der folgenden letzten Figur gedacht.

h) ein nach rechts auf Knie und Hände niedergesunkener Krieger,
von dessen Bewaffnung nur ein Ende des Helmbusches er-
kenntlich ist. Seine Haltung erinnert an die Darstellungen vom
Selbstmorde des Aias, möglicher Weise also Menoikeus der
sich vor den Mauern Thebens tödtet.

Die Reliefs, welche die Darstellungen dieser beiden Blöcke
nach links fortsetzen, bilden lose aneinandergereihte Kampfscenen,
in denen bei aller Varietät der einzelnen Situationen nur der grie-
chische Charakter der streitenden Parteien im Allgemeinen betont
scheint und Anhaltspunkte für die Deutung bestimmter Gruppen
fehlen. Namentlich lässt sich der Zweikampf des Eteokles und
Polyneikes, welcher nothwendig vorauszusetzen wäre, vielleicht nur
in Folge der gegenwärtigen Erhaltung mit Sicherheit nicht erkennen.
Dagegen scheint ein Viergespann mit einem Helden, welcher auf
ihm links am Ende dem Schlachtgetümmel entflieht, nicht blos aus
künstlerischen Gründen, als Gegenstück zu dem am anderen Ende
gleichfalls nach auswärts gerichteten Gespanne des Amphiaraos die
Composition abzuschliessen. Vielleicht ist Adrastos gemeint, der
nach der Sage allein von allen Helden den Kampf überlebt.

Das Hauptinteresse des untern Streifens concentrirt
sich in den Reliefs des ersten Blockes linkerhand, welche un-
mittelbar unter das Viergespann des Adrastos zu stehen kommen
und eine geschlossene Scene bilden. In der Mitte des Blockes zeigt
der Fussboden eine estradenartige Erhöhung auf der ein bärtiger
Herrscher thront. Er sitzt nach rechts im Profil in gekrümmter
Haltung, die rechte Hand nachdenklich gegen das Gesicht führend,
auf einem mit Zeugstoff behangenen Sessel, die Füsse auf einen
Schemel gestellt, und hält in der Linken einen langen Stab auf-
recht, dessen oberes Ende halbkreisförmig gekrümmt scheint. Seine
Tracht, ein langer bis zu den Füssen reichender Chiton mit einem
umgeschlagenen weiten Mantel , ist griechisch bis auf die Kopfbe-
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