Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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zu richten sich anschickt. Es handelt sich um die Botschaft von
einer Schlacht, in welcher die Landung einer Flotte eine Rolle
spielt. Die Flotte ist rechts am Ende durch einige Schiffsvorder-
theile angedeutet. Gerüstete eilen von ihr aufs Land; zwei Krieger
retten nach ihr einen Todten den sie auf den Schultern tragen;
weiterhin nach der Mitte ist der Kampf hart entbrannt, in welchem
mehrere Bogenschützen vielleicht nicht ohne Bedeutung sind. Be-
stimmter individualisirende Elemente jedoch sind in dieser Darstel-
lung nicht mehr vorhanden oder noch nicht beachtet worden.

Südwand von innen

Hatte man die schwer zugängliche Schwelle des Portals er-
klommen und trat in den grossen offenen Hof ein, so gaben die
Bildwerke auch in ihrem gegenwärtigen Zustande hinreichenden
Anhalt für eine Vorstellung der Pracht, die sich einst als der Stein
noch seine marmorartige Farbe besass, gehoben durch Malerei,
wie zu vermuthen ist, rings an den Wänden entfaltet haben musste.
Höchst disparate und an sich ganz unscheinliche Funde, welche
bei den Grabungen im Innern des Heroon sich ergaben, lassen
ausserdem auf eine mannigfache Detailausstattung der Grabstätte
schliessen und werden in zukünftigen Studien vielleicht erlauben,
dieselbe bestimmter zu vergegenwärtigen. Dominirend erhob sich
jedesfalls der in seinen unteren Partien dem lebendigen Felsen ab-
gewonnene, aller Wahrscheinlichkeit nach in zwei Stockwerken
aufgebaute grosse Sarkophag, dessen Ueberreste theilweise noch
Basreliefs aufweisen. Für statuarischen Schmuck sind die Frag-
mente einer viereckigen Basis und etliche Marmorbrocken, unter
denen namentlich Theile eines Flügels, auch eines Löwenkopfes
auffielen, eben noch beweisend, und gewollt oder ungewollt wird
die in allen Klüften und Rissen des Bodengesteins thätige Trieb-
kraft der Natur die ganze Stätte belebt und verschönt haben. Die
Vegetation, die wir im vergangenen Jahre von Grund aus entfernt
hatten, fanden wir in diesem Frühling schon überall wieder frisch
im Aufstreben begriffen, in einzelnen Schösslingen sogar schon über-
raschend hoch emporgewachsen.

Thor. Wie auf der Aussenseite sondert sich der bildliche
Schmuck der Thür auch innen streng ab von der Art der Friese.
Wie dort scheint er auch hier mit besonderem Bezug zu der Grab-
stätte und ihrem Culte gewählt zu sein, gewissermassen als Titel
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