Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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würdiger Weise so schadhaft geworden, dass sich über ihr ursprüng-
liches Aussehen kein sicheres Urtheil fällen lässt. Täuscht indessen
nicht Alles, so fielen sie aus dem einheitlichen Stil des übrigen
Bildwerks als ein epichorisches Einschiebsel heraus. Es sind plump
angelegte dickleibige Zwergsilene die mit ungelenken Bewegungen
und scheinbar caricaturartigen Gesichtern einen scurilen Eindruck
machen und als Thür Ornamente, wofür ja zur Abwehr von Unheil
mit Vorliebe Formen und Stoffe von schreckhaft abstossendem
Charakter gewählt wurden, sicherlich machen sollten. Bemerkenswerth
ist, dass sie wie es scheint sämmtlich den nemlichen korbähnlichen
Kopfputz tragen und schon dadurch als zu den Tänzern gehörig
bezeichnet sind. Fünf von ihnen sitzen auf einem Felsen, einem
Sessel, auf Schläuchen, oder Vasen, drei von ihnen tanzen auf den
Fussspitzen, der eine en face in einer Haltung welche ganz dem
ägyptischen Beza entspricht. Vier von den Sitzenden musiciren auf
einer Lyra, einem Tambourin, einer Doppelflöte und einem andern
nicht mehr bestimmbaren Instrumente; der fünfte scheint sich, wenn
hier nicht ein Zufall der Erhaltung trügt und Doppelflöten ver-
schwunden sein sollten, wie der Silen auf der Ficoronischen Cista
mit beiden Fäusten auf den Leib zu trommeln.

Wendet man sich rechterhand von dem Thüreingang zur
Osthälfte der Südmauer, so bemerkt man eine Unregelmäs-
sigkeit der Anordnung, für die noch keine triftige Erklärung gefunden
ist. Nur die unmittelbar neben der Thür befindlichen Reliefs — im
Ganzen drei Blöcke — gehören den nemlichen Steinlagen an wie
die andern auf der Süd- West- und Nordseite erhaltenen Streifen;
die nach Ost darauf folgenden liegen um eine Steinlage tiefer.
Zwischen den höher und den tiefer gelegenen findet sich der eine
der beiden von Niemann (S. 188) erwähnten freigelassenen Vertical-
streifen mit einem Bohrloch, welche auf einen im rechten Winkel
anstossenden Anbau hinzuweisen scheinen, auf den man bei der
Ausführung der Reliefs Rücksicht nahm.

Die Darstellungen der genannten drei Blöcke stehen möglicher
Weise in innerer Beziehung zu einander. Auf dem an den Thürsturz
stossenden oberen gewahrt man ein nach rechts galoppirendes Vier-
gespann, das sich durch gute Erhaltung auszeichnet. Der nur durch
ein vierspeichiges Rad und den obern Contur des Kastens ange-
deutete Wagen ist im Profil gezeichnet, während die Pferde mit
lebendig variirter Kopfhaltung sich nach rechts perspectivisch vor-
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