Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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und zugleich ruhiger entwickelt. Vorn und rückwärts durch zwei
anspringende Hunde gepackt, wird er zunächst durch drei unmit-
telbar ihn umstehende Jäger bedroht. Rechts stösst ein mit Schild
und Helm Gewappneter mit dem Speer auf ihn herab, im Hinter-
grunde schwingt Theseus über ihm die Keule, und linkerhand an
dem Ehrenposten holt die bis auf die oberen Theile verlorene Ge-
stalt des Haupthelden mit hocherhobener Lanze gegen ihn aus. Zu
beiden Seiten folgen zwei Kämpferpaare, die auf der rechten Seite
übersichtlicher zusammengehalten sind, auf der linken durch das Li-
neament ihrer AngrifFsbewegungen und stürmisch flatternden Gewänder
aufgelöster erscheinen. In dem vollgerüsteten bärtigen Nachbar des
Meleager, der mit dem gezückten Schwerte sich entgegenstellt,
wird man Peleus erkennen dürfen und die ihm folgende anmuthige
Gestalt die auf den Fussspitzen stehend den Bogen abschiesst, ist
Atalante. Bestimmte Personen der Sage sind sonst nicht ersichtlich,
bis auf den auch hier zum Tode verwundeten Ankaios, welchen linker-
hand zwei sorglich gebückte Genossen an Schultern und Beinen ge-
fasst halten, um ihn niederzulegen, nachdem sie ihn von dem Kampf-
platze fortgetragen haben. Die drei Figuren dieser Gruppe bilden
mit einer vierten rechts anschliessenden, deren Bewegung wie die
eines besorgt Rufenden zur Kampfreihe überleitet, eine symmetrische
Gleichung zu zwei Paaren der entsprechenden Compositionsstelle
rechter Hand. Auch dort bezeichnet die Lage eines der Gefahr
entrückten Verwundeten eine Pause in der fortlaufenden Bewegung
des Ganzen; von einem Freunde hinweggeleitet ist er ohnmächtig
niedergesunken und wird von ihm im Rücken mit den Knieen
unterstützt und mit beiden Händen unter den Schultern gefasst, wie
der ermattete Orest von Pylades in einer berühmten auch im Nio-
bidenkreise verwertheten Gruppe; die beiden anderen eilen vorüber
ohne ihrer zu achten. Weiterhin ist die Composition lückenhaft und
nur ihr Abschluss auf einem in die Westmauer eingebundenen
Blocke noch vorhanden: ein für die Erquickung des Ohnmächtigen
besorgter Jagdgenosse ist seitab zu einem Brunnen gelaufen und
holt vermittelst eines Strickes, den er mit erhobener Rechten kunst-
gerecht emporzieht, in einem Eimer Wasser aus der Tiefe herauf.
Idyllisch wie hier, und mit der nemlichen Abwendung nach aussen
klingt das erregte Leben der Handlung auch am linken Ende aus.
Die letzte Figur ist nicht ganz mehr kenntlich, die beiden vorletzten
sind zu einer zartempfundenen Gruppe vereinigt deren Idee aus
dem Phigaliafriese geläufig ist. Ein Jäger hat den verwundeten
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