Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 205
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1882/0209
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
205

Freund aus dem Kampfe abgeführt; er hält ihn mit dem rechten
Arm im Rücken und fasst seine linke Hand, die ihm auf der Schulter
ruht; in dieser Lage halb aufrecht halb hängend schleppt sich der
Kranke mit kurzen Schritten vorwärts, indem er müde den Kopf
senkt und sich mit der Rechten auf die Lanze stützt. Eine Ge-
genüberstellung des Phigaliareliefs ist lehrreich an sich und leitet
mit einem bedeutenden Fingerzeig zugleich auf die kunstgeschicht-
liche Würdigung des Ganzen.

Dort hat man eine originale Erfindung erster Hand, die man
versucht ist sich geradezu als Vorlage zu denken. Alle Verände-
rungen der Wiederholung, leichtersichtlich wie sie keiner Beschrei-
bung bedürfen, lassen sich auf ein Umcomponiren im Gegensinne
zurückführen. Natürlicher ist aber, dass der Kranke zurück, nicht
voraus ist, auch hat das Schema mit dem Verzicht auf die Nackt-
heit einen gegensätzlichen Reiz eingebüsst und durch das Divergiren
der beiden Köpfe etwas an Innigkeit verloren.

Der obere Streifen gliedert sich durch eine pfeilerartig leer
gelassene Stelle in zwei ungleiche Hälften, eine kleinere zur Linken,
eine breitere zur Rechten. Während in jener eine ruhige Vereinigung
edel bewegter Frauengestalten den Blick fesselt, spielt sich in dieser
das blutige Drama eines eigenthümlichen Männerkampfes ab. Schon
in diesem schwerlich ungewolltem Gegensatze scheint sich ganz
allgemein eine gewisse Zusammengehörigkeit anzukündigen.

Wie Apoll fernher durch seine Geschosse die Achaier oder
die Kinder der Niobe tödtet, so steht hier der in die Heimath zu-
rückgekehrte Odysseus als strafendes Schicksal vor der Versamm-
lung seiner wehrlosen Nebenbuhler. Unscheinlich, wie es die grie-
chische Kunst zumal der Plastik liebt, um die Hauptsache die es
loading ...