Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 217
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Unvermittelt und ohne trennenden Raum setzt sich rechts an
die ausziehenden Figuren sowohl in der oberen wie in der unteren
Reihe die Amazonomachie an. Sie besteht oben wie unten aus
je sechs ungefähr gleich langen Blöcken und zeigt in der Mitte
einen Verticalstreifen mit den Dübellöchern, der wie bereits her-
vorgehoben (vgl. S. 37) einst für den späteren Einbau einer recht-
winklig anstossenden Mauer hergestellt wurde, und die Reliefs
rücksichtslos durchschnitt, so class hier mindestens zwei Figuren
fehlen. Der Kampf ist ohne bestimmt vorherrschende Richtung,
seine Bewegung ziemlich glekhniässig gehalten, eine Mitte nur in
der obern Reihe einigermassen betont, so dass das Ganze den
Eindruck eines Ausschnittes aus einer bunt entwickelten Schlacht
gewährt. Mit wenigen Ausnahmen sind die Amazonen beritten,
während die Griechen zu Fuss gegen sie vordringen, und die Ver-
theilung der Pferde gliedert die Composition. Unmöglich zufällig
kommt in die untere Reihe auf jeden Block, bald in der Mitte
bald mehr nach links oder rechts angebracht, ein Pferd, während
in der obern der letzte Block rechterhand, dessen Reliefs nur
abbozzirt gewesen zu sein scheinen, ohne Pferd ist, wogegen der
dritte und vierte in der Mitte zwei nach links hintereinander ga-
loppirende Reiterpaare zeigt.

Die Amazonen tragen durchgängig phrygische Mützen und
kleine flatternde Mäntel, die reitenden ausserdem ein tricotartig
den Körperformen angeschmiegtes Unterkleid, das man freilich an
den meisten Stellen mehr vorauszusetzen genöthigt ist als bestimmt
wahrnimmt, während die zu Fuss kämpfenden statt dessen unter
der Chlamys einen kurzen Chiton anhaben. Am linken Arm führen
sie den kleinen ausgebogten Schild, mit der Rechten schwingen sie
eine lange Lanze, einmal scheint auch eine Streitaxt oder ein
Schwert vorzukommen. Mannigfaltiger ist die Tracht der Griechen,
an denen man abwechselnd korinthische, attische und sturm-
haubenartige Helme, bald einen blossen Chiton, bald einen Chiton
mit Chlamys und Panzer, und neben den durchgängig benutzten
Rundschilden als Angriffswaffen Schwert oder Lanze bemerkt. An
einigen Stellen ist der Schauplatz des Kampfes durch Erhöhungen
des Bodens oder einen kleinen Berg charakterisirt, den der Grieche
ersteigt, die Amazone hinangaloppirt. Linkshin gegen das Ende
liegt in dem obern wie in dem untern Streifen ein Todter ausge-
streckt auf der Erde, das einemal in besonders schöner Haltung,
welche im Gegensinne dem todten Lapithen der achtundzwan-
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