Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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zigsten Metope auf der Südseite des Parthenon genau entspricht.
Mit wenigen Ausnahmen löst sich die Schlacht in Einzelkämpfe
von je zwei Figuren auf. Meist anstürmend von vorn, in einigen
Fällen verfolgend von rückwärts greift ein Grieche die Reiterin
an, und diese Gruppen gleichen weniger im Detail, so viel ich bis
jetzt übersehe, als durch Geist und Stil ihrer Anlage jenen schönen
altattischen Vasengemälden, in denen Klügmann mit so augenschein-
lichem Rechte Beziehungen zu der berühmten Amazonomachie des
Mikon in der Stoa Poikile zu Athen vorausgesetzt hat. Daneben
fallen andere individuellere Motive auf, so wenn eine Amazone
tödtlich verwundet von ihrem aufbäumenden Pferde herabsinkt oder
einer andern das Pferd getroffen unter dem Leibe zusammenbricht
und sie auf das Hintertheil des Thieres zurückgeworfen, mit em-
porgezogenen Unterschenkeln sich zum Abspringen anschickt. Be-
sonders schön ist auf dem von links gezählten vierten Blocke der
obern Reihe, der sich überhaupt nicht blos durch bessere Erhaltung
sondern wie es scheint durch ursprünglich feinere Modellirung des Re-
liefs auszeichnet, eine Amazone, die eine verwundete und mit der Lanze
sich aufstützende Genossin aus der Schlacht hinweggeleitet. Das
rückwärts von dieser Gruppe nach links hinwegeilende Reiterpaar
jenes Blockes ist ganz im Stile des Parthenonfrieses gehalten, wie
denn überhaupt die Bildung der Pferde durchgängig der Kunstübung
jener Zeit entspricht. Der attischen Sage, nicht der Aithiopis, gilt
auch der Gegenstand an sich, obwohl es ursprünglich nicht beab-
sichtigt scheint oder jetzt nicht mehr gelingen will an irgend
einem Kennzeichen den Haupthelden Theseus herauszuheben.

Als ein dem ganzen Geiste seiner Anlage nach durchaus
entsprechendes Seitenstück steht links von der belagerten Stadt
die grosse Griechenschlacht. Oben auf sieben, unten auf
acht theilweise sehr langen Blöcken reicht sie bis in die Ecke, wo
über einer leisen unregelmässigen Bodenanschwellung, die das her-
anfluthende Meer versinnlicht, vier an die alten Münzen von Pha-
selis erinnernde gondelartig stark gebogene Schiffshintertheile mit
vier langen Rudern nebeneinander emporstehen. In dem letzten
Schiffe links sitzt ein Schiffer mit spitzer Mütze, den rechten Ellen-
bogen auf die linke Hand und die rechte Hand gegen das Gesicht
stemmend, landeinwärts blickend als Wächter der Flotte. Dicht
am Ufer beginnt der Kampf, oben mit einem Salpinxbläser, wie
er auf älteren Vasenbildern des Oefteren eine Schlachtreihe eröffnet,
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