Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Ostwand

Wie bereits hervorgehoben, ist die östliche Mauer des Peri-
bolos bis auf einige Ueberreste ihrer unteren Steinlagen zerstört
gewesen. Dass auch sie einst wie die übrigen verziert war, lehrt
der oben S. 202 erwähnte Umstand, dass das Gelage der Südwand
nach dem Funde eines Endblocks auf die Ostwand übergriff, und
der Gewinn von Relief blocken die in den Lücken der Süd- und
Nordseite nicht unterzubringen waren. Leider ist es an Ort und
Stelle schon in Folge mannigfacher räumlicher Behinderung nicht
möglich geworden durch Proben über ihre Zusammengehörigkeit eine
klare Vorstellung zu gewinnen, und es lässt sich auch nicht hin-
reichend übersehen, wie weit sich eine solche aus zukünftigen Studien
der mitgebrachten Originale ergeben wird. Allem Anscheine nach
ist jedoch Material vorhanden um einen immerhin beträchtlichen
Theil der fehlenden Friesreihen wiederherzustellen. Sicher zuge-
hörige Blöcke kamen meist im Innern des Hofes aber auch ausser-
halb desselben im Osten, leider aber durchgängig in sehr beschä-
digtem Zustande zum Vorschein. Es würde nutzlos sein dieselben
jetzt nach den aufgenommenen Skizzen und Photographien voll-
ständig zu beschreiben. Lediglich das Wichtigste mag hier eine
kurze Erwähnung finden, wozu vor Allem The seusthaten zählen,
von denen im Ganzen vier zu constatiren waren.

1. Minotaur. Theseus, nackt, kniet en face mit dem linken
Bein auf der Hüfte des nach rechts zu Boden geworfenen und auf
dem Boden knieenden Minotauren, mit dem linken Arme wie es
scheint seinen Hals umfassend und mit der Rechten gegen ihn aus-
holend ; mit beiden Händen sucht sich der Minotaur von der Um-
halsung zu befreien. Nach links flieht umblickend ein nackter
Jüngling, der mit beiden Händen ein Gewand hinter sich hält und
ihm vorauf mit erschrockener Armhaltung, in gleicher Bewegung
der Gestalt, ein Mädchen das mit einem ärmellosen Chiton be-
kleidet ist.

2. Pityokamptes. Eine schlanke nackte Jünglingsgestalt
mit spitzem Pileus schreitet weit vorgebeugt nach rechts aus und
drückt mit beiden Händen das obere Ende eines kahlen Baumes
zu Boden.

3. Auffindung der Gnorismata. Zwischen zwei an beiden
Enden begrenzenden Bäumen links ein nach rechts emporstehender
und überhängender Felsen, gegen den Theseus , mit flatternder
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