Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 230
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1882/0234
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
230

da wo das Thal von Säret einmündet, auf einer sehr steil, stellen-
weise besonders gegen Norden jäh abfallenden Hochfläche eine bis-
her unbekannte alte Stadt: hier unzweifelhaft alte Mauern, zahl-
reiche alte Gräber, namentlich auch von der Form des massiven
Grabpfeilers, aber auch nicht die kleinste Inschrift. Am 27. er-
reichten wir Kasch und nachdem wir daselbst dem Kaimakam, in
dessen Bezirk Gjölbaschi liegt, unsere Aufwartung gemacht hatten,
am 28. Gjölbaschi, wo auch alsbald alle Mitglieder und Theilnehmer
der Expedition versammelt waren."

„Indem ich von meiner Thätigkeit in Gjölbaschi, die ja nur
ein Theil der gemeinschaftlichen Arbeit war, schweige, berichte ich
nur über die näheren und ferneren Ausflüge von dort aus."

„Am 3. Mai fanden Herr v. Knaffl und ich bei Recognos-
cierung eines Weges für den Transport der Steine auf einer weiter
gegen Osten gelegenen steilen Kuppe des Plateaus von Gjölbaschi
eine alte Burgruine mit wohlgefügten Mauern und einem gegen
Süden gelegenen Thor, interessant durch eine vor dem Eingang in
der Mauer angebrachte Bildnische, allem Anschein nach für eine
thorhütende Gottheit bestimmt. Ein anderes Gemäuer, welches wir
damals auf dem Plateau gegen Norden sahen, habe ich erst später
(21. Mai) mit Benndorf besucht: ein Rechteck von stattlichem
Quaderbau römischer Zeit. Südlich unter jener Burg kam ich
später vorbei als ich mit Herrn von Knaffl und Dr. Schneider die
Herren Baron v. Warsberg, Prof. Zumbusch und Consul Casilli am
25. und 26. Mai nach Dembre begleitete. Damals sah ich tief
unter der Burg auf der Ebene verschiedene Sarkophage, an deren
einem noch ein griechischer Name lesbar war. Weiterhin gegen
Myra sahen wir einen stattlichen römischen Grab(?)bau; sodann
im Thal des Andrakiflusses einen gleichfalls römischen Bau anderer
Bestimmung. Am eingehendsten ward das Theater und die zahl-
reichen Felsgräber bei Myra betrachtet."

„Am 21. Juni begab ich mich mit Prof. Niemann nach Hoiran
(17o Stunden von Gjölbaschi), wo ich das Terrain der alten Stadt
und Burg mit den zahlreichen Gräbern verschiedener Construction
mit oder ohne Inschriften und Reliefs untersuchte, ohne jedoch den
alten Namen der Stadt finden zu können. Am 4. wanderten wir
gegen Westen nach Jau am Fuss des steilen Berges, welcher die
weitläufigen und zum Theil schwer übersehbaren Ruinen von Kya-
neai trägt. Mein Geschäft war vornehmlich die Untersuchung der
Gräber und ihrer Inschriften, deren verschiedene griechische wie
loading ...