Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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wir ab, über Eskihissar, Kuju nach den Ruinen von Oinoanda, an
deren Durchforschung vorzüglich nach Inschriften ich mich trotz
starken Unwohlseins noch zwei Tage betheiligte. Weiter aber
musste ich die Untersuchung der Ruinen von Balbura, wohin wir
am 24., und von Kibyra, wohin wir am 26. gelangten, ganz allein
dem trefflichen unermüdlichen und nach allen Seiten hin eifrigen
und geschickten Dr. v. Luschan, der auch früher schon immer,
wenn er Zeit hatte, meine Arbeit getheilt, überlassen, zufrieden
wenn ich selbst nur von Ort zu Ort kam. Durch zwölftägiges
Stillliegen in Chorzum war ich so weit hergestellt, dass wir auf
dem nächsten Wege reitend die Eisenbahn bei Sarakiöj am 11. Sep-
tember and am nächsten Tage Smyrna erreichen konnten."

Robert Schneider berichtet im Folgenden zunächst über
einen Ausflug nach Antiphellos und Tüssa: ?;Den 10. Juni
brach ich vom Lager in Gjölbaschi auf, folgte erst dem mir bekannten
Pfad nach Jau (Kyaneai). ritt durch die Kesselthäler von Nadarlar,
Sarlar, Barletscha, Ovlansarentsche und Awela und die steilen
Bergabhänge zur Küste hinab, wo auf der Wurzel einer nach Süd-
west lang vorgestreckten Halbinsel das alte Antiphellos, das heu-
tige Antifilo liegt. Der Besichtigung der Ruinen, insbesondre des
antiken Theaters und des dorischen Grabes (Texier description de
l'Asie Mineure pl. 197), der Revision bereits edirter, der Sammlung
noch unbekannter Inschriften konnte ein voller Tag gewidmet
werden. So unverlässlich Texiers Stadtplan (a. 1. c. pl. 191—192)
auch sein mag, so scheinen doch vor mehreren Jahrzehnten antike
Ueberreste hier in reicherer Fülle vorhanden gewesen zu sein und
in dem Masse allmählig zu schwinden, als das gegenüberliegende
Castellorizo immer mehr Colonisten nach der Stelle des alten Em-
poriums entsendet, deren noch kleine Niederlassung sichtlich in
stätigem Wachsthume begriffen ist. Die Inschriften der ausgedehnten
Nekropole sind bereits von meinen Vorgängern abgeschrieben worden,
weshalb ich den grössten Theil der Zeit daran wandte, im Orte
selbst nach solchen zu suchen; in der That fand ich einige neue,
leider aber meist fragmentirte. Um die Trümmerstätten von Patara
und Xanthos aus eigner Anschauung kennen zu lernen, dehnte ich
die Reise bis in das Xanthosthal aus; unter den dort gelegentlich
copirten Inschriften mag eine oder die andre noch unedirt sein.
Zurückgekehrt nach Antifilo besuchte ich die von Spratt und Schön-
born erwähnten Ruinen von Tüssa. Leider kam ich in vorgerückter
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