Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Olympos besuchte und sodann auf dem kürzesten Wege über Phi-
neka und die beschwerliche Beimelikpassage nach Gjölbaschi zu-
rückkehrte. u

„Bei der mit Prof. Petersen gemeinsam nach Rhodiapolis un-
ternommenen zweiten Tour wurden die Inschriften von Limyra
cöllationirt, respective abgeklatscht, sowie eine Streifung am öst-
lichen Abhänge des Aladjadagh unternommen. u

„Alle meine sonstigen Excursionen, wie die wiederholten nach
Gjömbe auf theilweise verschiedenen Routen und eine Fahrt nach
Castellorizo7 waren ausschliesslich geschäftlichen Zwecken bestimmt.
Doch Hess sich auch hiebei Einiges von wissenschaftlichem Werthe
gewinnen."

Ich selbst habe bei einem Ausfluge, der mich im Mai zu dem
Kaimakam nach Kasch im oberen Dembrethale führte, Anlass ge-
nommen, die östlichste der drei auf dem Dembreplateau gelegenen
Ruinen stellen, welche in Spratts Karte den Namen Kyaneai tragen,
Gjauristan genannt, zu besuchen. Ausser Ueberresten von Stadt-
mauern, vierzig bis fünfzig spitzbogigen Sarkophagen, einem Felsen-
grabe und den Trümmern einer Kirche enthält sie nichts Bemerkens-
werthes. Der ihr gegebene Name Kyaneai lässt sich nicht be-
gründen, er findet sich nur in mehreren Sepulcralinschriften, die
hierfür nicht beweisend sind: über das ganze Dembreplateau ver-
streut sind Gräber, auf denen Strafzahlungen an den Demos oder
die Gerusia von Kyaneai vorgeschrieben werden.

Mit Niemann Schneider und Studniczka brach ich sodann am
1, Juli von Gjölbaschi auf zu einer Tour nach Adalia, von wo die
Genannten nach Europa zurückzukehren wünschten. Wir wählten,
lediglich der Karte folgend, unbekannte Wege, ohne indessen auf
neue Orte zu stossen. Wie jetzt scheinen auch in alten Zeiten die
von der Küste abgelegenen östlichen Theile der Landschaft schwach
bewohnt gewesen zu sein und theilweise überhaupt keine sesshafte
Bevölkerung gehabt zu haben. Die wenigen antiken Plätze dieses
Gebietes sind klein und arm an Monumenten und datiren alle aus
spätrömischer Zeit. Der wild zerrissene Charakter der Bodenfor-
mation mit allenthalben sich ausbreitendem Urwalde von Nadel-
hölzern, der nur in den Tiefen der Thäler und längs der bedeu-
tenderen Zuflüsse mit Platanen abwechselt, macht eine so späte
spärliche Cultur wohl begreiflich.
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