Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 241
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Wir zogen im Dembrethale hinauf bis zum sogenannten Kegel-
berge und von da im Thale des Ernestschai, das wie eine Verlänge-
rung des oberen Dembrethales sich ausnimmt, über Karadagh nach
Jazyr in dem südlicheren der beiden Hochpässe die in das tiefe Ary-
kandusthal hinüberführen. Aus dem Arykandusthale stiegen wir zu
den in grandiosen senkrechten Felswänden abfallenden Südabhängen
des Akdagh auf in einem Seitenthale, aus dem ein Nebenbach des
Arykandus, der Baschkoschtschai, herabkommt und zogen auf der
rechten Uferseite des Alagirtschai entlang, Edebessos berührend,
weiter nach Norden, immer in einer Höhe von drei bis vier
Tausend Fuss das ganze wirre Thalgebiet mit seinen jenseitigen
hohen Ketten überschauend. Bei Kürdschekoi übersetzten wir so-
dann den in tiefer enger Spalte hinabrauschenden Fluss und stiegen
an seinem Ostrande zu einem gegen fünf Tausend Fuss hohen Passe
der Astlanjaila auf, von dem aus wir im Tschandyrthale, gleich-
falls wieder hoch oben auf der linken Seite des Flusses, in die
Ebene von Adalia hinabgelangten. Der einzige antike Ruinenplatz
dieses ganzen Flussgebietes, auf einer steilen Höhe der Nordseite
gelegen, besitzt nur einige Grabmonumente aus der Kaiserzeit und
hat den Namen Marmora ohne Beweis und ohne die Möglichkeit
eines Beweises erhalten.

Nach einem mehrtägigen Aufenthalte in Adalia, welchen Nie-
mann zu einer Aufnahme des von dem Mutessarif Turkan Bei kürz-
lich freigelegten römischen Triumphbogens angeblich aus hadriani-
scher Zeit, und mehrerer Häuser der Stadt benutzte, die in ihrer
Anlage strenger als anderwärts den antiken Typus bewahrt haben,
nahm ich allein den Rückweg zu Lande. Ich zog dies Mal von
Gurma dem rechten Ufer des Tschandyr entlang nach Tschandyr-
Assar, das sich als eine mittelalterliche Festung ohne alle antiken
Ueberreste erwies, und in einem südlichen Seitenthale des Tschandyr
wieder hinüber in das Alagirgebiet nach Göldschik und Saradschik,
an welchem letzteren Orte in Waldeinsamkeit die Trümmer einer
grösseren römischen Ortschaft liegen. Hier verwandte ich zwei
Tage auf die Aufnahme eines merkwürdigen tempelartigen Grab-
baues aus römischer Zeit, der im Giebel ein von zwei Tritonen
gehaltenes grosses Gorgoneion und auf den Aussenwänden Relief-
darstellungen von Waffen und isolirten menschlichen Körpertheilen
(Kopf, Arme, Beine) zeigt, und desgleichen eines späten Sarkophages
mit Reliefs von Amazonenkämpfen und Heraklesthaten. Dann
drang ich in bedeutender Höhe an den Westabhängen des Bereket-

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