Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 243
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menden Wassernoth die Kraft unserer Arbeiter sichtlich nachliess,
der Zulauf fremder Arbeiter immer unsicherer und wüster wurde
und das von seinen Bewohnern verlassene, wie ausgestorbene
und ausgebrannte Land weit und breit keine Nahrung und keine
Hilfe bot. Unter diesen Umständen haben wir zuweilen ernstlich
erwogen, ob es nicht gerathener sei für dieses Jahr die Arbei
einzustellen. Allein die Unmöglichkeit sie rasch zu einem gewissen
Abschluss zu führen und bis zur Rückkehr hinreichend für die
Sicherheit der zurückgelassenen Steine zu sorgen, die in ihrer
aller Polizei spottenden Einsamkeit schon durch ihre Holz- und
Eisenhüllen zu Plünderung und Zerstörung angereizt haben würden
— waren die Kisten doch selbst während unserer Anwesenheit ge-
legentlich Object für Flintenkugeln — , auch der Gedanke an die
erhöhten Erfordernisse einer spätem Wiederaufnahme und an die
dann jedesfalls gesteigerten Schwierigkeiten einer Erwerbung hielten
davon ab, und die festgehaltene Hoffnung auf ein glückliches Ende,
welche eine Zeit lang nur an einem schwachen Faden hing, ist
nicht unerfüllt geblieben. Mit besonderer Dankbarkeit vergegen-
wärtige ich mir die von vielen Seiten einsetzende Hilfe, welche
zuletzt sogar über Erwarten rasch und glatt uns zu einem befrie-
digendem Abschluss verhalf, und wenn gleich Vieles davon und
darunter das für die Kenntniss orientalischer Zustände nicht am
wenigsten Lehrreiche sich einer näheren Darlegung entzieht, darf
doch so viel nicht unerwähnt bleiben, dass zunächst dem persön-
lichen Eintreten Herrn Nicolaus Dumbas, ferner einer Unterstützung
der Botschaft, die ich auf einer im August nach Constantinopel
unternommenen Reise erbat und in wirksamer Weise noch recht-
zeitig erhielt, und schliesslich der energischen Theilnahine des
Generalagenten des österreichischen Lloyd in Constantinopel, Herrn
Forni, der uns einen seiner für die englische Flotte in Alessandria
mit Viehtransport von Odessa verkehrenden ausserordentlichen
Dampfer für die Abfuhr der Steine kostenfrei zur Verfügung stellte,
der erhoffte Schlusserfolg vornehmlich zu danken ist.

Im Hofe des Heroon gingen die Abrüstungsarbeiten ihrem
Ende entgegen. Da mit Ausnahme der Thorsteine alle Reliefblöcke
auf ihrer rückwärtigen Seite unbearbeitet waren und auf ihren
Stoss- und Lagerflächen keinerlei Merkmale zeigten, deren Er-
haltung nothwendig gewesen wäre, so hatten wir uns im Hinblick
auf die grossen Vortheile einer Erleichterung, wie wohl ungern,
entschlossen sie bis auf eine Dicke von 20—25 Centimeter hinten

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