Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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abarbeiten zu lassen. Ein Versuch, der mit Absägen angestellt
wurde, und für den uns Humann mit Smirgel versorgt hatte, war
zu langwierig ausgefallen, hatte auch zu viel Wasser erfordert:
das Abmeisseln erwies sich einfacher und wurde von den geübten
Steinmetzen, die unter dem Schatten aufgespannter Strohmatten
emsig am Werke waren, mit grosser Vorsicht und Sicherheit
durchgeführt.

Mit den lose gefundenen Reliefblöcken und Sarkophagüber-
resten war begonnen worden. Jedem Steine wurde im Heroon
fortlaufend eine Nummer rückwärts aufgemalt, jedem Fragment
desgleichen, und es wurde gewissenhaft jedes kleinste Theilchen
von dem vermuthet werden konnte dass es zugehörig sei, auf-
gelesen, um alles für eine einstige Restitution Verwerthbare bei-
sammen zu haben. Allabendlich wurden die fertigen Stücke auf
kleinen Schlitten zum Lagerplatz geschleift, wo die Zimmerleute
sie in starkgearbeitete Kisten, die überdies eiserne Bereifun-
gen erhielten, einhoben und und mit Holzkeilen fest einspannten,
nachdem sie photographisch und in Zeichnungen oder Skizzen
einzeln aufgenommen worden waren. Dann kamen die noch in
den Mauern befindlichen Steine, die über angelehnten Plalbstämmen
langsam herabgelassen wurden, an die Reihe, zunächst diejenigen
der Nord- und Westwand, sodann diejenigen der Südwand bis auf
das Thor, das zuletzt allein noch aufrecht stand. Manche dieser
noch in situ vorhandenen Reliefblöcke, so namentlich diejenigen in
der Südecke der Westwand, waren vor dem Herabnehmen bereits
geborsten durch die in ihre Adern eingedrungene Vegetation; bei
einigen andern brachen Theilrisse durch während der Abnahme
oder später bei der Procedur des Abstückens, nicht unglücklich
insofern als diese schadhaft gewordenen Steine sich nothwendig
während des Transports und dann mit wirklichem Nachtheile in
Stücke aufgelöst haben würden, während sie jetzt nur um so sicherer
sich verpacken Hessen und genau wieder zu vereinigen sein werden; im
Ganzen sind aber wenig Alterationen dieser Art, unvermeidlich wie
sie waren, vorgekommen und sie kommen an sich natürlich nicht in
Betracht verglichen mit der Sicherung und Erhaltung des Ganzen
durch die erfolgte Abnahme. Besondere Mühe verursachte bei den
Hilfsmitteln, über die wir verfügten, der Thürsturz, der auf Hundert
Centner, und die beiden Thürpfosten die auf je sechzig Centner
Schwere geschätzt wurden. Auch der östlich nahe am Heroon
stehende mit einer griechischen Inschrift versehene colossale Sarko-
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